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February 04 2010

janaherwig
12:03

Präsentationen sind online: Microblogging, Webvideo, Einsatz in Organisationen


Meral, Helge und ich haben eine dreiteilige Digitalks-Reihe bei der voestalpine (wahrscheinlich das erste twitternde Stahlunternehmen im deutschsprachigen Raum) bestritten. Ziel war dabei nicht der unmittelbare Einsatz (soll heißen: nein, es ging nicht darum, aus allen MitarbeiterInnen Twitterati zu machen), sondern die Vermittlung von Grund- und Strukturwissen, um selbst einschätzen zu können was derzeit im (Social) Web passiert und in welche Richtung die Auseinandersetzung gehen könnte.

In meinem Fall lag der Fokus auf Twitter (Microblogging und die Stärke der ‘weak ties’ im Social Web), YouTube (Webvideo zwischen Viralerfolg und PR-Bombe) sowie in der Diskussion möglicher Herausforderungen im Abwägen von persönlicher und institutioneller Kommunikation im Social Web.

Die drei Präsentation stehen auf Slideshare zur Verfügung und können dort auch als PDF heruntergeladen werden – ein Video gibt es ebenfalls (siehe auch unten)





Hier ist das (kurzes, zusammenfassende) Video zum Vortrag inkl. einigen ausgewählten Reaktionen. Ich habe übrigens selten eine so hochkonzentrierte Gruppe an SeminarteilnehmerInnen erlebt – an einigen Stellen meinte ich beobachten zu können (meine Imagination, eh klar), dass in einigen Köpfen bereits Ansätze erwogen wurden (und bin gespannt, ob die dann zumindest experimentell erwogen oder wieder verworfen werden – bitte sehr gerne um Update, wenn es soweit ist!).

Die weiteren Videos zu Merals und Helges Beitrag findet man auf dem YouTube-Channel der voestalpine.

Weiteres Material, auf das ich mich berufen oder auf das ich verwiesen habe:

(Comment on the side: Das Video muss ich auch meiner Physiotherapeutin zeigen;-) wir üben nämlich gerade Schulter entspannen und Handgelenke schonen – offensichtlich gestikuliere ich immer noch viel zuviel, auch in unmögliche Richtungen:)

February 01 2010

janaherwig
16:48

Die Blogosphäre: Boboreservat oder realer Einfluss auf öffentliche Meinung?


So hat sie die Frage zum Glück nicht gestellt, aber von dem Vortrag von Carmel Vaisman am 4. Februar um 20:15 am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft erwarte ich mir u.a. Antworten auf solche Fragestellungen: Hat das ganze Ackern in der Blogosphäre eigentlich einen Einfluss, der über diejenigen hinausgeht, die sich dort abmühen? Man denke an allfällige Twitterabstimmungen während der letzten Wahl in Deutschland, bei der die Piraten oft als stärkste Partei abschlossen – sind wir also nach wie vor in den Echo Chambers der Blogosphäre eingeschlossen, in der vor allem Intellektuelle und andere Schreibwütige sich gegenseitig bestätigen?

Titel des Vortrags ist: Bloggers as Early Adopters of Public Opinion: Ethnography of Influencing Networked Publics – spannend mit Blick auf die Situation in Österreich finde ich insbesondere, dass es bei ihrem Bericht aus der israelischen Blogosphäre eben einmal NICHT um die amerikanischen A-Blogger gehen wird – die amerikanische Situation ist schließlich eine ganz andere, u.a. weil dort andere ökonomische Möglichkeiten und damit aber auch ein größerer Druck auf der Blogosphäre liegt, sich an den Maßstäben der Massenmedien (und des Journalismus) zu orientieren.

Der Vortrag wird in englischer Sprache gehalten, hier ist der Abstract:

For half a century communication researchers have been putting to the test theories of mass media effects on public opinion. However, the blogosphere‘s ability to influence public opinion is not yet backed by consistent empirical evidence or an account of the relevant practices.

Similar to the situation in Austria, Israeli political blogging is ignored by national commercial mass media. As a result, case studies from the Israeli blogosphere provide us with a rare opportunity to isolate the resulted influence of blogging efforts and learn about the ways that blogging shapes public opinion. The research presented in the talk is based on an ongoing ethnography of the Israeli blogosphere conducted as a participant observer since 2004, observing the formation of the Israeli „A-list“ political blogs as a discourse that emerged from scattered personal journals, and tracing the activities during two election campaigns (municipal and national).

Über die Vortragende: Carmel Vaisman is a communications scholar and freelance journalist based in Israel with a research focus on Internet culture and digital folklore. She explored issues of identity and agency in her PhD thesis entitled „Israeli girls and digital subcultures: language, gender and playfulness on blogs“. Institutionally, Carmel Vaisman is affiliated to the Department of Communication at The Hebrew University of Jerusalem.

Termin:
4. Februar 2010, 20:15h am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien
Schopenhauerstrasse 32, 1180 Wien; Hörsaal 2, 2. Stock

Ankündigung als PDF zum Download

Facebook Event

Eine Veranstaltung der Gruppe Internetforschung an der Universität Wien.

January 27 2010

janaherwig
16:22

Unsichtbare Hände im Graduiertenkolleg!


Ein wenig klingt die Ankündigung wie der Titel eines Whodunit, ich wünschte, solche Hände würden mich am 4. und 5. Februar nach Paderborn tragen zur Tagung:

Unsichtbare Hände. Automatismen in Medien-, Technik- und Diskursgeschichte.

Die Tagung „Unsichtbare Hände“ beleuchtet, wie in unserer technisch-medialen Gesellschaft Strukturen entstehen, die nicht von einer zentralen Instanz geplant und durchgesetzt werden. Phänomene wie Social Networks, Flashmobs, Ad Hoc Netze – und selbst die Finanzkrise ‒ resultieren aus der verteilten Aktivi- tät Vieler, die unabhängig voneinander handeln. Die Prozesse wirken im Rücken der Beteiligten, unterhalb ihrer Bewusstseinsschwelle.
In seinem vielbeachteten Buch „Payback“ thematisiert auch Frank Schirrmacher solche Automatismen, die er mit Handlungsroutinen, Stereotypen und Algorithmen gleichsetzt. Aus seiner Perspektive bewirken Automatis- men eine Umbildung unserer Hirne und kognitiven Leistungen analog zur Arbeitsweise von Computern. Die Tagung problematisiert demgegenüber das komplexe Wechselspiel von Menschen, Modellen und Techno- logien. Im Mittelpunkt der Tagung steht das Konzept der „Unsichtbaren Hand“ [...]

Folgende Vorträge werden geboten:

Harun Maye
Die unsichtbare Hand. Zur Geschichte einer populären Metapher
Dominik Schrage
Was meint „Standardisierung durch Konsum“? Technische und soziale Prozesslogiken am Beispiel der Entstehung des Massenkonsums in den USA
Jens Schröter
Das automatische Subjekt. Ein umstrittener Begriff bei Karl Marx und seine medienwissenschaftlichen Anschlüsse
Jutta Weber
Die kontrollierte Simulation der Unkontrollierbarkeit. Kontroll- und Wissensformen in der Technowissenschaftskultur
Christoph Neubert
Autonome Objekte. Zu Theorie und Geschichte der Selbststeuerung in der modernen Logistik
Robert Dennhardt und Peter Koval
Geschichten von Electronic Design Automation (EDA)
Matthias Wittmann
Orlac’s Hände. Von Wiederholungszwängen, Automatismen und ‚prothetischen Traumata’ in Robert Wienes (un-)heimlichem Heimkehrerfilm
Joy Kristin Kalu
Die Automatisierung des Schauspiels: Wieder-Holungsprozesse in aktuellen Inszenierungen der Wooster Group
Martina Leeker
Daten tanzen. Automatismen in der Begegnung von Kognitionswissenschaften und Tanz (Wayne McGregor)
Andreas Wolfsteiner
“Daß Instrumentum oder Werckzeug/ welches alle andern macht” (Boillot, 1603). Die historische Hand des Denkens ist nicht die ‚invisible Hand’ der Handelsökonomie
Wolfgang Coy
Tastende Fortschritte hinter dem Rücken der Produzenten

Ich kann leider nicht reisen zu dem Zeitpunkt, und am 4.2. um 20:15 findet ja auch folgende Veranstaltung der Gruppe Internetforschung hier in Wien statt (für anderer Daheimgebliebene)

Vortrag von Carmel Vaisman: Bloggers as Early Adopters of Public Opinion: Ethnography of Influencing Networked Publics

January 22 2010

janaherwig
15:35

Am Sonntag: 4Chan-Vortrag im Tanzquartier


Also: Von heute bis Sonntag findet im Tanzquartier die Tagung “Inszenierung von ‘Weiblichkeit’. Zur Konstruktion von Körperbildern in der Kunst” im Rahmen derselben ich einen Vortrag zu 4chan beitrage. Titel: “Black sweet lolita is bitter loli”. Ephemere Bilderpraktiken im Imageboard 4chan.

Mein Vortrag ist zu einer eher (un-)christlichen Zeit angesetzt: Sonntag, 24.1., 10:00-10:30 Uhr. Ich werde ihn wohl aufnehmen, und wenn ich mich abschließend nicht zu sehr geniere (sehr gut möglich, dass ich das tue:) auch hier zur Verfügung stellen.

Es ist schon halb vier, um fünf beginnt es und ich muss schnell hinübereilen – deswegen hier der kurze Abstract, der noch nicht sehr in die Tiefe geht:

“The repertoire requires presence: people participate in the production and reproduction of knowledge by “being there,” being a part of the transmission. As opposed to the supposedly “stable” objects in the archive, the actions that are the repertoire do not remain the same. The repertoire both keeps and transforms choreographies of meaning.” (Diana Taylor, The Archive and the Repertoire, 2003:20.) 4chan.org ist ein englischsprachiges Bilderforum (image board), auf dem User vorwiegend anoym Bilder austauschen und kommentieren. Nur was kommentiert und referenziert und somit in der Timeline des Forums wieder aktualisiert wird, hat Chancen, länger als wenige Minuten auf 4chan zu bestehen. Kommentiert niemand, wird das Bild nebst Kommentar bald gelöscht. Neben themenorientierten Unterforen wie ‘Weapons’, ‘Papercraft & Origami’ und ‘Sexy Beautiful Women’ können in ‘Request’ Bilderwünsche gestellt werden oder in
‘Random’ weitgehend regelfrei Bilder verhandelt werden – jenseits von Copyrightfragen, da die Inhalte in der Regel wieder verschwinden, bevor Urheber davon erfahren könnten. Der Vortrag diskutiert eine Auswahl zu beobachtender Bilderpraktiken, ausgehend vom Vorschlag der Müncher Theaterwissenschafterin Meike Wagner, Diana Taylors Konzept des ‘repertoire’ als eine dem Archiv entgegen gestellte Körper-Praxis, die Wissen in einer Präsenz-Situation verhandelt, auch auf Online-Szenarien anzuwenden.

January 20 2010

janaherwig
10:17

Das Drama der Relevanz, oder: Warum Offline-Kriterien nicht auf Online-Enzyklopädien angewandt werden sollten


Wikipedia Logo - Pledge for Fair UseDer andauernden Löschdiskussion zwischen Inkludisten und Exkludisten fügt die Informationsarchitektin Regine Heidorn die Perspektive der Wissenschaft hinzu. In computergestützt arbeitenden Forschungsprojekten gestalten sich Relevanzkriterien ihrer Erfahrung nach anders: Dort zählt weniger die Qualität einzelner Artikel als die Gesamtheit der zur Verfügung stehenden Daten. Ich freue mich über den ersten Gastbeitrag auf digiom!


Von Regine Heidorn | Die Löschdiskussion der deutschsprachigen Wikipedia – in den letzten Monaten ein im Netz heiss diskutiertes Thema. Ganz neu ist das Phänomen auch nicht, es gab öfter Beschwerden über vermeintlich zu unrecht gelöschte Einträge. Der gesammelte Unmut spaltet sich in zwei Lager: Inkludisten und Exkludisten. Erstere vertreten den Standpunkt, da genügend Serverplatz zur Verfügung stünde, könnten unfertige oder noch nicht genug recherchierte Einträge erhalten bleiben. Auch als Aufforderung, die Einträge zu verbessern und damit als Anreiz zur Mitarbeit bei Wikipedia. Die Exkludisten dagegen argumentieren, bestehende Einträge müssten auch gepflegt und aktualisiert werden, das wäre nicht für jeden Eintrag möglich, die Nutzergemeinde sei zu klein. Daher sei es besser, Einträge, die nicht genügend ausgearbeitet seien oder den Relevanzkriterien von Wikipedia nicht gerecht werden, gleich zu löschen.

Ein wesentlicher Punkt wurde in der bisherigen Wikipedia-Diskussion, die sich in der deutschsprachigen Community zwischen Inkludisten und Exkludisten im Kreis dreht, kaum beachtet: Die Kriterien für Relevanz einer Online-Enzyklopädie sollten sich auch an der Online-Nutzung derselben ausrichten und mit deren Veränderungen und Ansprüchen wachsen. An dieser Stelle kann man vermuten, dass die Relevanzkriterien von Offline-Enzyklopädien aus und an den Nutzungsansprüchen erwuchsen. Und sicher u. a. von der Verfügbarkeit der Ressource Papier sowie erforderlichen Aktualisierungszyklen abhängen.

Diese banale Feststellung erhält Gewicht, wenn der Begriff „Online-Nutzung“ erweitert wird auf die wissenschaftliche Online-Nutzung, genau so, wie Offline-Enzyklopädien wissenschaftlich genutzt werden. Allerdings unterscheiden sich die Methoden wissenschaftlicher Online-Nutzung von denen der wissenschafltichen Offline-Nutzung und genau hier ist der Ansatzpunkt, der im Folgenden anhand eines Beispiels beleuchtet werden soll.

Brockhaus at the Frankfurt Book Fair in 2005
Image via Wikipedia

Soweit mir die Diskussion bekannt ist, geht es bei den konträren Standpunkten der In- und Exkludisten allein um Kriterien der Relevanz, nicht um tatsächliche Ressourcen-Probleme. Auch dem hartgesottenen Inkludisten ist klar, dass es unsinnige Beiträge gibt. Die Exkludisten dagegen argumentieren nicht mit einem Löschzwang aufgrund mangelnden Serverplatzes. Die künstliche Verknappung relevanten Wissens für Offline-Enzyklopädien, so arbiträr sie vom Gedanken des unbegrenzbaren Wissenshorizonts, wie ihn Popper formuliert hat, erscheinen mag, hatte in der Knappheit der Seiten zumindest eine materiell begründbare Grenze. Die Frage ist nun, inwieweit die Relevanzkriterien einer Offline-Enzyklopädie für eine Online-Ausgabe übernommen werden können. Und inwiefern die wesentlich erweiterte Verfügbarkeit der Ressource Serverplatz die Kriterien für relevante Inhalte beeinflusst.

Sofern es darum geht, als neues digitales Medium ein etabliertes analoges Medium zu verdrängen oder dieses in seinen Leistungen zu übertreffen, erscheint es nur konsequent, sich direkt am analogen Vorbild zu orientieren und den Beweis der Überlegenheit durch Übernahme der vorhandenen Relevanzkriterien anzutreten. Genau darum drehte sich die Wikipedia-Diskussion in den Anfängen. Diesem Stadium ist Wikipedia lange entwachsen und kämpft nun mit anderen Problemen: so zum Beispiel – stellvertretend für die Herausforderungen der alltäglichen Nutzung – mit der Widersprüchlichkeit der Kriterien (Vorsicht, Polemik).

Ein Blick auf die wissenschaftliche Nutzung zeigt ein anderes Bild: Ende 2009 fand am Deutschen Archäologischen Institut in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Topoi ein Workshop zum semantischen Daten-Modell CIDOC-CRM statt. Aus dem Workshop möchte ich ein Projekt herausgreifen, um zu zeigen, in welchen Bereichen eine wissenschaftliche Nutzung von nutzergenerierten Inhalten im Internet stattfindet.

Einzug digitaler Methoden in die wissenschaftliche Methodologie

From Questions to Answers – Travelling from Perseus to Arachne and Anywhere“ (PDF, 3.8 MB) – bei diesem Projekt geht es um einen „einfachen Anwendungsfall“. Ein Historiker arbeitet an der Entwicklung des alten Pergamon. Um die Bedeutung der Befunde interpretieren zu können, folgt eine Recherche zu allen Nennungen von Pergamon in den unterschiedlichsten Quellen (Literatur, Funde, sonstige Artefakte, Museen etc.). Die Frage ist, wie maschinen-verwertbare Daten zu diesem Zweck vorgehalten werden können. Dafür kann unter anderem die archäologische Objektdatenbank Arachne verwendet werden. Um möglichst viele Quellen mit Nennungen unterschiedlichster Aspekte einzubeziehen, wurde in diesem Beispiel auch eine semantische Abfrage an Wikipedia einbezogen, in dem Fall über DBpedia, eine Plattform die ihrerseits strukturierte Daten aus Wikipedia ertrahiert und semantisch aufbereitet wieder zur Verfügung stellt.

Von der Nutzung solcher digitaler Methoden versprechen sich Wissenschaftler genauere und umfassendere Ergebnisse, als sie bisher möglich waren. Dieses Versprechen begründet sich in der Möglichkeit größerer Unabhängigkeit von Ressourcen (Reisen zu Archiven, begrenzte Bearbeitungszeit zwingt zur Eingrenzung der Forschungsfragen auf relevante Kriterien). Ähnlich dem Schritt von der Offline- zur Online-Enzyklopädie wird es nun möglich, virtuell mehr und umfangreichere Datenbanken und Archive als Forschungsgrundlage anzuzapfen. Sofern die Datengrundlage semantisch gründlich aufbereitet wurde, sind wesentlich komplexere Forschungsfragen über Datenbank-Queries in kürzerer Zeit möglich. Zusätzlich können mehrere Disziplinen über neutrale Beschreibungen miteinander verknüpft werden. Hier lösen sich die Grenzen von interdisziplinärer Forschung über transdisziplinäre zu disziplinneutraler Forschung auf.

Zurück zu den Anforderungen an Relevanzkriterien einer Online-Enzyklopädie: Eine digitale Enzyklopädie wird relevant bleiben, sofern sie sich den digitalen Nutzungsbedürfnissen anpasst. Für die in den Beispielen dargestellte Nutzung spielt es z. B. keine Rolle, ob die Befunde in einem exzellenten Artikel verfasst sind: sogar unfertige Artikel, die als Solche nicht gerade menschenlesbar sind, werden relevant, weil sie im semantischen Gerüst der Wikipedia maschinenlesbar ausgewertet werden können. Die Relevanzkriterien einer Online-Enzyklopädie sollten der Funktion als Wissensspeicher, auch für interdisziplinär verbundene Fragmente von Wissen, gerecht werden. Die Nutzung von Wikipedia in diesem Rahmen würde es der digitalen Enzyklopädie ermöglichen, das zu leisten, was auch der Brockhaus im analogen Bereich geleistet hat: eine Verbindung von Wissenschaft und Alltag herzustellen.

Und zwar nicht mehr einseitig kanonisiert durch eine geschlossene Redaktions- oder Admingruppe, sondern zu gegenseitigem Nutzen. Nicht nur könnte die Qualität von Wikipedia-Einträgen allgemein gehoben werden, indem Wissenschaftler mehr beitragen, weil sie gut auf die vorhandene semantische Struktur aufsetzen können. Es könnten auch andere fachlich Interessierte weltweit ihre Daten beitragen. Und wenn das nicht Wikipedia ist, dann wird eine andere Plattform diese offene Stelle besetzen.


Regine Heidorn ist seit April 2008 als Informations-Architektin für das Berliner Exzellenzcluster Topoi tätig. Nach philologischen, ethnologischen und kulturwissenschaftlichen Studien in Hessen und Norddeutschland, Radkurierfahrerei in Bremen und einer Ausbildung im Multimedia-Bereich in Berlin ist sie seit 2006 selbständig. Schwerpunkte: Informationsarchitektur, Webprogrammierung und digitale Geisteswissenschaften.
Website | Twitter

Versiongeschichte des Beitrags:
version 0.1 15.1.10, 17.43 Ersterstellung RH
version 0.2 15.1.10, 20.36 Formulierung, Verständlichkeit, Erwähnung Popper, evtl. Beispiele JH
version 0.3 15.1.10, 21.10 Einarbeitung Kommentare JH, Entscheidung gegen Beispiele, Streichen eines Beispiels RH, JH
version 0.4 15.1.10, 21.21 Neuer 1. Absatz mit kurzer Erklärung der Löschdiskussion RH
version 0.4.1 15.1.10, 22.03 Überschrift: Das Drama der Relevanz, oder: Warum Offline-Kriterien nicht auf Online-Enzyklopädien angewandt werden dürfen JH
version 0.4.2 15.1.10, 22.14 Überschrift „sollten“ statt „dürfen“ RH
version 0.5 15.1.10, 22.27 Entscheidung, daß es so stimmt JH, RH
version 1.0 15.1.10, 22.40 Peer-Review passed
version 1.1 16.1.10, 11.11 Ergänzung eines maschinenlesbaren Abstracts JH
version 1.2 16.1.10, 11.30 Ergänzung einer Erklärung von DBpedia JH
version 1.3 20.1.10, 11.04 Ergänzung „Wissensspeicher für Fragmente von Wissen“ Don Dahlmann, Zwischenüberschrift JH, RH
version 1.4 20.1.10, 15.06 Ergänzung Verlinkung DD, Löschdiskussion User Magdalena

Brockhaus-Bild von Wikimedia Commons User AndreasPraefcke

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January 15 2010

janaherwig
16:56

Info-Eye – Taxonomy of visualization methods for humanities


Lev Manovich
Image by R▲▲S via Flickr

Listening to Lev Manovich’s talk on visualization methods right now, trying to scribble down some notes to use it in my own research. It’s a talk called „Visualization Methods for Film and Media Studies“, and he’s giving it as part of the final conference of the Digital Formalism research project. He has also contributed analyses of Vertov’s „The Eleventh Year“ (1926) to the conference, which are included in the DVD issued by the Austrian Filmmuseum.

This is not a well-written article, but if you are interested in visualizations, you will probably find it interesting to dig through it. and follow up th links.

gather – take a number of pictures which have something in common and find a way to sort them and see if you can identify a pattern.

For instance: Visualizations of all 4553 covers of Time magazine, 1923-2009. Note that there is not only a shift from black and white to colour, but also a preference for certain hues in certain years.

highlight – continuity between a „full“ media object and visualization/diagram

For instance: Using a digital copy of Anna Karenina (the novel by Tolstoy), arrange the in columns and minimize t to squeeze onto one (giant) page), automatically underline particular words and see what it looks like. See also this Flickr-Set: Hamlet.

sample – take regular samples (e.g. samples from video games, and generate an all-in-one view

For instance: Visualizations of two very popular Japanese video games Kingdom Hearts and Kingdom Hearts II – 100 hours of game play. Frames taken every 6 seconds from the sequence of gameplay sessions which constitute a full traversal of the game from beginning to end. This image represents 62.5 hours of gameplay (22,4999 frames).

calculate – manipulate visual material algorithmically, e.g. extract a thin, vertical slice from each frame, or image, and arrange them horizontally in a time line.

For instance: The following slice through a segment of a video game (37.5 minutes of gameplay) at 1 fps. Or, as Manovich did with Vertov, extract one frame – the first frame – from each shot.

describe + visualize meta data

For instance: Visualization combining two types of shot categories. A single bar = one shot; bar color = shot type. In the upper graph, bar length represents shot duration

analyse + visualize results
(cultural analytics ted key)

Analyze + visualize using images („image graphics“)

For instance: 4553 covers of Time magazine, 1923-2008. The x axis is time, the y axis is a composite dimension of brightness, hue, and saturation measures that were automatically extracted from the images. The graph shows the complicated transition from black and white to color printing and indicates some basic design trends in various eras of the publication.
Or: Visualization of Mondrian imags on an X-Y/Time-Hue scale. Or take a look at this visualization of the average amount of movement in each shot (60000 by 724 pixels!).

Photo by R▲▲S

January 09 2010

janaherwig
12:15

LIFT in Österreich -> 5 Mal 66% Rabatt auf die Enable!-Conference


Innovationen wollen alle, aber wo sollen die her kommen? Auf die Suche nach der „game-changing innovation“ begibt sich die Enable!-Konferenz, die vom 18. bis. 20 März 2010 in den Drinkomathallen stattfinden wird und ein hiesiger Ableger der LIFT-Conference ist. Bis zum 17. Jänner können noch Einreichungen sowie Vorschläge für Vortragende gemacht werden – und mit dem folgenden Ticketcode, der 5 Mal verwendet werden kann (ohne Anführungszeichen), kann man die regulären Tickets für € 99 statt € 300 bekommen:

jan_enable_code

Hier erfährt man, wie das funktioniert mit dem Bonus – zur Registrierungsseite geht es dann hier weiter. Wenn die Codes verbraucht sind sollte man sich zumindest sputen und noch den Early Bird Tarif bis 14. Februar zu bekommen.

January 07 2010

janaherwig
17:36

Ich habe ein Wort adoptiert: obarmate


Hübsch – obarmate klingt nach widerstandsfähigen Saufkumpanen für einen US-Präsidenten, nach Erbarmen und Australien, aber auf keinen Fall würde man hier ein Verb vermuten. Die Banausen von Merriam-Webster (eh klar: Amerikaner) haben noch nie davon gehört, Oxford English dictionary würde mir sicher weiterhelfen, wenn ich nur einen Zugang hätte, und so muss ich den Auskünften von savethewords.org blind trauen, nach denen ‘to obarmate’ so was heißt wie ’sich wappnen gegen’. „I vow to obarmate myself for the battles against the world’s bigots through education and research. An educated mind is hard to oppress.“ (%) Auch dabei muss man wieder an Obama denken, den wohl vermutlich sich bewaffnendsten aller Friedensnobelpreisträger. So oder so – das Wort habe ich jetzt adoptiert, hier ist das Zertifikat, hütet euch, mein Wort zu verwenden.

Gefunden bei stormgrass.com.

January 06 2010

janaherwig
13:05

Die Digiom Tweet-Jahres-Charts 2009


Fast zu spät, um auf den Zug noch aufzuspringen: eine weitere Hitliste, die die Welt nicht braucht – meine Tweets des Jahres 2009! Natürlich hatte ich nie vor eine solche Liste anzulegen, bestimmt gab es Tweets, die mich noch mehr berührten. Da ich als Social-Media-Nutzerin aber die Aufmerksamkeitsspanne einer Katze habe, blieb nur erhalten, was auch von mir gefaved wurde, featuring myself, @hrheingold & @jurijmlotman, @stormgrass, @mathiaz, @dnlplus, @luca & @edei & @pmjordan & @kratochvil, @leyrer, @hedu, @pascal und @pingo2000.

Immerhin Erkenntnisse über mein Fave-Verhalten – ich fave weniger Poetisches und mehr Informatives, dabei viel weniger Frauen als Männer (Zusammenhang? Ich folge jedenfalls auch mehr Männern als Frauen). Da Links zu den Nachrichten vom letzten Jahr aber wirklich nicht so spannend sind, sind diese Infotweets dennoch kaum in meiner Liste vertreten. Stattdessen: Kommentare zum Leben in und mit Social Media, passend (endlich mal wieder:) zum Titel dieses Blogs. Los geht’s:


Platz Eins! Wie narzisstisch – gleich ein Tweet von mir. Da dies aber meine Charts sind, kann ich da ja reinschreiben, was mir wichtig ist: und dazu gehört, mich immer wieder daran zu erinnern, dass es sich nicht lohnt, auf Twitter in hitzige Debatten zu geraten, denn:


Platz Zwei! Eine Tweet-Combo, die in dieser Reihenfolge gefaved wurde. Thema: Eh man sich’s versieht, ist man auch schon drin, im Social-Media-Teufelskreis, aus dem wir nur mit einem Getting-Things-Done-Alert wieder rauskommen.


Platz Drei! Weil wir uns auf Twitter verlassen. Wenn was passiert, dann auch da. Es gilt, was 2008 wahr war: „If the news is that important, it will find me.”


Platz Vier! Weil viele der Dinge, die auf Twitter passieren, gar nicht so weltbewegend erscheinen, aber doch unser Leben erfüllen. Mit Kuriosa, mit Schadenfreude, mit sozialem Wissen. Pro Wurschtsemmel-Tweet!


Platz Fünf! Weil Poesie und Sprachspiele längst nicht mehr nur menschliches Metier sind, sondern Geräte längst zu Co-Akteuren geworden sind. Was wäre die Welt ohne Caps Lock-Taste? Es gäbe keinen Caps-Lock Day – auch nächstes Jahr wieder am 22. Oktober (und am 2. November ist Yip Yip Day).


Platz Sechs! Stößt ins selbe Horn – ach, Hashtag-Lyrik! Für manche sind Hashtags Hasstags – Platz sechs daher featurend in Hauptrolle den Anti-Bobo. Wie wir wissen: Wer sich über Bobos lustig macht, ist selbst schon immer einer gewesen. Für Nicht- ÖsterreicherInnen: Bobo = Bourgeois Bohemien. Sowas wie in D die Generation Umhängetasche.


P.S. Das war übrigens die frühe Tweetshirt.me-Zeit – einer davon hat’s auf’s Leiberl geschafft (jö, mein eigener).


Platz Sieben! Erinnert uns an die vielen Varianten der Social Media-Beulenpest, mit der wir mittlerweile leben müssen. Von Mafia bis Spy Wars bis Farmville bis Doodle Jump und – hehe – Formspring-Antwortweiterleitungen. Informationsdiätetik im sozialen Raum – eine schwere Kunst!


Platz Acht! Eigentlich hatte ich nach diesem Tweet meine eigene Handy-Testaktion machen wollen: „Immobile Blogger – Leben mit einem Nokia-Knochen im Zeitalter der Smartphones“. Altes Handy wäre da gewesen, bin aber dann doch nicht zur Ausschreibung gekommen. Ich habe selbst gesündigt, habe gelobt, es nie wieder zu tun (ok, wenn ein Apple Tablet anklopfen sollte, wäre das was anderes) und lese selbst aber keine Handytestartikel mehr. Und ihr?


Platz Neun! Dies war das Jahr, in dem Michael Jackson starb – auf Twitter zuerst, wie wir uns erinnern. EIn Tweet-Tsunami mit angeahnten Folgen – etwa solchen für TwitterforscherInnen. Social Media ist eben ein Ökosystem – Naturkatastrophen nur schwer voraussehbar!


Platz Zehn! Igitt, schon wieder ein Tweet von mir – nee, stimmt nicht, sondern ein geklautes Stück Social Media Poetry, das ich gerne bewahren wollte, gefunden auf dem Facebook-Status von @pingo2000, zu schön, um nur seinen FreundInnen vorbehalten zu bleiben und zu schön komponiert, um die 138 Zeichen durch RT-Einfügungen zu zerbechen. Oops – war das jetzt Intellectual Property Infringement?


P.S. Anlass war, wenn ich mich recht entsinne, dass Pingo aufhörte zu rauchen. Schön.


Das war’s, viel Spaß noch im Social Web und: Faven nicht vergessen!

January 04 2010

janaherwig
15:54

Dziga Vertov als protodigitaler Filmemacher – Konferenz „Digital Formalism“ Mitte Jänner in Wien


Dank der analytischen und rhythmischen Entschlossenheit, mit der Dziga Vertov (1896-1954) die äußere, visuelle Realität zerlegt und neu orchestriert, sind seine Filme, allen voran der ‘Man with a Movie Camera’ (1929), bis heute von einer mitreißenden Frische, die – behaupte ich – Körper und Geist instantan belebt. Dem Versuch, Vertovs Vorgehen aufgrund der Kraft seiner Montage als protodigitale Geste zu deuten, geht die Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts „Digital Formalism: The Vienna Vertov Collection“ nach, die vom 14. bis 16. Jänner in Wien stattfindet.

Vortragende sind u.a.:

  • Lev Manovich, Autor u.a. von „The Language of New Media“ (indem er Vertov bereits als Vorfahren digitaler Verfahren diskutiert: „And this is why Vertov’s film has particular relevance to new media. It proves that it is possible to turn ‘effects’ into a meaningful artistic language.“, S. 12) und „Software Takes Command„. In letzter Sekunde konnte er noch als Redner gewonnen werden und wird daher auf den Plakaten noch nicht genannt. Vortrag am 15.1.2010, 16:30, Aula Altes AKH, Spitalgasse 2, Titel: „Visualization Methods for Film and Media Studies“
  • Annette Michelson, Mitgründerin des MIT Journals October, eine der Grandes Dames der Vertov-Forschung und Robert Morris-Expertin, Professor Emeritus der Tisch School of the Arts at NYU, Vortrag am 15.1.2010, 15:30, Aula Altes AKH, Spitalgasse 2, Titel: „Replacing Vertov“
  • John MacKay, Autor u.a. von Inscription and Modernity: From Wordsworth to Mandelstam (2006), Four Russian Serf Narratives (2009) und Dziga Vertov: Life and Work (im Erscheinen). Professor für Slavische Sprachen, Literatur und Filmwissenschaft an der Yale University, Vortrag am 14.1.2010, 15:30, Österreichisches Filmmuseum, Augustnerstraße 1, Titel: „Arbeit und Rhythmus: Vertov’s Musicalizing of Labor „

Bislang (leider) unüblich ist die Zusammenstellung des Projektteams aus FilmwissenschaftlerInnen, InformatikerInnen und ArchivarInnen, unter Beteiligung des Instituts für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Uni Wien, der Interactive Media Systems Group am Institute of Software Technology & Interactive Systems der TU Wien sowie des Österreichischen Filmmuseums.

Besonders gespannt bin ich daher auf den Vortrag von Stavros Alifragkis und Francois Penz (Cambridge): „Dziga Vertov’s ‘Man with the Movie Camera’: Thoughts on the Computation of Style and Narrative Structure“ am 16.1.2010, 10:00, Aula Altes AKH, Spitalgasse 2, denn hie wird es ganz konkret um die Entwicklung und Anwendung von Ontologien (im IT-Sinne) zur computergestützten Filmanalyse gehen.

Eine Teilnahmegebühr wird im übrigen nicht erhoben (Dank an den WWTF, der das Projekt förderte), mehr über das Projekt und das komplette Konferenzprogramm erfährt man auf der Website digitalformalism.org.

Den Programmfolder (mit Manovich-Nennung) kann man auf der hier folgenden Seite herunterladen.

December 30 2009

janaherwig
18:00

Der alte Affe Angst vor der Frau: Protestaktion gegen Frauengruppe beim Ebenseer Glöckler(innen)lauf


Feiertage bieten einem nicht nur die Gelegenheit, das Offline-Leben etwas zu pflegen, man nimmt auch wieder Nachrichten zu sich, die man sonst aufgrund der Metropolen-Scheuklappen ausgeblendet hätte.

Zum Beispiel die Geschehnisse um den nächsten Glöcklerlauf in der Marktgemeinde Ebensee im Süden des Traunsees am 5. Jänner 2010:

Erstmals wird bei dieser, wie das meist der Fall ist, männerdominierten Brauchtumsveranstaltung auch eine reine Frauengruppe antreten. Schon seit längerem drohten alteingesessene Glöcklerpassen deswegen mit Boykott (nachzuhören in der Sendung vom 22. Juni 2009 auf Radio Fiftitu). Nun scheinen sie diesen wahrmachen zu wollen:

Statt sich sich wie üblich am gemeinsamen Startpunkt am Rathausplatz, wo auch ein Glöcklermarkt stattfindet, zu versammeln (Tips Gmunden berichtet), wollen die Protestglöckler von den jeweiligen Ortsteilen aus starten und dann an einem gemeinsamen Punkt wieder umkehren. Eine ungeschickte Paarung aus Neid und Frauenfeindlichkeit? Selten wird solches ja zugegeben – das vorgeschobene Argument ist Traditionsbewusstsein….

Glöckler in Bad Ischl: Bildquelle Wiki Commons

Wikipedia: „Glöckler stellen Figuren aus den Rauhnachtsbräuchen im Salzkammergut und angrenzenden Regionen dar. Dabei handelt es sich um Schönperchten, gute Lichtgeister, welche die bösen Rauhnachtsgeister, die Wilde Jagd, endgültig vertreiben sollen – der Glöcklerlauf findet daher in der letzten Rauhnacht, am 5. Januar statt.“

Denn offiziell stößt man sich an der Finanzierung der Frauenpasse: Das Frauenforum Salzkammergut hatte das Projekt „d’Låmbåtalerinnen – Erste Frauen-Glöckler-Passe in der Geschichte der Marktgemeinde Ebensee“ nämlich bei der letzten Ausschreibung des Innovationstopfs der Kulturplattform OÖ mit einer Antragssumme von 11.111,- € eingereicht und war auch noch erfolgreich. Das Thema der 2009er Ausschreibung: „abseits“ – und mit dem Ansprechen der Marginalisierung haben die Frauen offensichtlich ins Schwarze getroffen, was die verbissenen Versuche, den Glöcklerlauf weiterhin als Männerdomäne zu ‘bewahren’ zeigen.

Ein Interview mit Ingrid Kästl und Gertrude Piontek im heutigens „Tips Gmunden“ (wie schön wiewohl selten, dass werbefinanzerte Gratisblätter die Richtigen zum Interview laden) kann man hier nachlesen: entweder als PDF-Download (ca. 600 KB) oder im Browser auf Scribd.com.

Mehr über das Projekt – und eine Kontaktmöglichkeit für diejenigen, die den Låmbåtalerinnen ihre Anerkennung aussprechen möchten – findet man auf den Seiten des Frauenforums.

December 22 2009

janaherwig
10:46

Unser Twitter-Steckbrief ist da! „Microblogging und die Wissenschaft.“


Free ClipartMein schönstes Weihnachtsgeschenk in diesem Jahr! Unser vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) herausgegebene Twitter-Steckbrief, in den nicht nur Arbeit und Zeit, sondern auch etliches Herzblut geflossen ist, ist endlich fertig und steht zum Download bereit: 895 KB schwer, 56 Seiten von Front- bis Backcover!

Herwig, J., Kittenberger, A., Nentwich, M. und Schmirmund, J., 2009, Microblogging und die Wissenschaft. Das Beispiel Twitter. Steckbrief 4 im Rahmen des Projekts „Interactive Science“. ITA-Reports, Nr. a52-4 hrsg. v. Institut für Technikfolgen-Abschätzung, Wien: ITA.

Direkter PDF-Downloadlink: http://epub.oeaw.ac.at/ita/ita-projektberichte/d2-2a52-4.pdf

Short-URL zur Download-Seite: http://bit.ly/twitterita

Ziel des Steckbriefs ist eine Einschätzung des Potenzials von Microblogging für die Wissenschaft – inwieweit können Dienste wie Twitter und Friendfeed die Wissenschaft in ihren Grundfunktionen, WissenschafterInnen bei sowohl formalisierten (z.B. Konferenzen und Dokumentation) als auch informellen (z.B. Austausch in Teams) Aktivitäten unterstützen?

Um die Frage, was Microblogging eigentlich ist, zu beantworten, haben wir u.a. folgende Schematik – in Fortführung meines Beitrags zur Netcultures Tagung in Basel (vgl. Slides 9ff ) – entwickelt, welche den Unterschied zwischen den ein- oder wechselseitigen bzw. nicht unmittelbar abbildbaren Kontaktverhältnissen auf Twitter, Social Networking Sites (SNS) und Blogs darstellen soll; bei der Charakterisierung der Unterschiede insbesondere von SNS und Microblogs haben wir uns dabei von den in einem Panel von Pearson, Boyd, Long und Tuszynski verwendeten Begriffen, Friends and Followers: Renegotiating Friendship Online, leiten lassen:

Die Ergebnisse sind dabei nicht nur für für WissenschafterInnen anwendbar, etwa wenn es darum geht, wie mit den sich aufweichenden Grenzen zwischen beruflichen und persönlichen Kontexten umgegangen werden kann, gerade in Bereichen wie der (Wissenschafts-)Kommunikation. Wie wir es im Steckbrief zusammengefasst haben: „Wer darf und/oder soll mittels Microblogging im Namen oder Kontext welcher Organisation worüber sprechen?“ (S. 22/PDF S. 34).

Die Inhalte des Steckbriefs in der Übersicht:

1  Allgemeines

1.1  Microblogging: Zwischen Blogs und sozialen Netzwerkdiensten
1.2  Kommunikation und Interaktion auf Twitter
1.3  Inhalte und Zugangsweisen
1.4  Archivierung
1.5  Alternative Plattformen
1.6  Demographie von Twitter

2  Microblogging für WissenschafterInnen

2.1  Mögliche Inhalte von Twitter-Nachrichten in der Wissenschaft
2.2  Informelle Kommunikation und Microblogging
2.3  Microblogging im Rahmen von Konferenzen
    2.3.1  Microblogging als Feedbackkanal und Organisationshilfsmittel
    2.3.2  Plattformspezifische Aspekte
2.4  Microblogging in der (externen) Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
    2.4.1  Forschungs- und Lehreinrichtungen
    2.4.2  WissenschafterInnen
2.5  Exkurs: Wie WissenschafterInnen Twitter nutzen – Eine Momentaufnahme
    2.5.1  Untersuchungsgegenstand und konzeptionelle Überlegungen
    2.5.2  Empirische Erhebung
    2.5.3  Ergebnisse und Interpretation
2.6  Microblogging und Lehre

3  Ausblick und Bewertung

3.1  Potenzialabschätzung: Was kann Microblogging für die wissenschaftliche Praxis leisten?
3.2  Mögliche Funktionen von Microblogging in Forschung und Lehre
3.3  Ausblick

Eine kleine Serviceleistung, die ihm Rahmen des Steckbriefes entstand ist ein Microblogging-Glossar, das einerseits auf den abschließenden Seiten des PDF-Dokuments selbst, andererseits im Web zu erreichen ist unter dieser URL: http://bit.ly/twitterglossar.

Ein englischer Abstract findet sich u.a. auch auf Michael Nentwichs Researchgate blog: http://bit.ly/twitteritablog

Projektleiter sowohl im wissenschaftflichen als auch redaktionellen Sinne war Dr. Michael Nentwich (a.k.a. @cyberscientist), Direktor des Instituts für Technikfolgen-Abschätzung (ITA); außer mir haben als Beitragende mitgewirkt Axel Kittenberger (a.k.a. @axkibe) , Doktorand an der Uni Wien und wie ich Mitglied in der Gruppe Internetforschung sowie Jan Schmirmund (a.k.a. @J_SCH), Mitarbeiter und Doktorand am Zentrum für Medien und Interaktivität (ZMI) der Justus-Liebig-Universität Gießen, welches wie das ITA Mitglied im Forschungsverbund Interactive Science ist, in dessen Rahmen auch der Steckbrief enstanden ist. Bereits publiziert wurden Steckbriefe zu Wikipedia und anderen Wikimedia-Projekten in der Wissenschaft sowie zu Second Life in der Wissenschaft – ein weiterer zum Thema Google/Suchmaschinen und die Wissenschaft ist in Arbeit.

Dank geht auch an Wolfgang Reinhardt (a.k.a. @wollepb), Martin Ebner (a.k.a @mebner) und Kollegen, deren Paper „How People are Using Twitter during Conferences“ sehr hilfreich für uns war, ebenso wie der Beitrag von Annabell Preußler (a.k.a @preußler) und Michael Kerres (a.k.a. @mkerres), „Soziale Netzwerkbildung unterstützen mit Microblogs (Twitter)“ sowie an viele weitere, auf die in der umfangreichen Bibliografie verwiesen wird.
Der Steckbrief erscheint in kleiner Auflage auch im Druck und ist unter folgenden ISSNs veröffentlicht:

ITA-PROJEKTBERICHT NR. A52-4 ISSN: 1819-1320 ISSN-ONLINE: 1818-6556

Und jetzt geht’s ab in die Weihnachtsferien! :mrgreen:

Reblog this post [with Zemanta]
janaherwig
09:23

The ugly truth about hierachies in academia


Look what I found on my desk (= the desk of a PhD candidate at university department) this morning (first picture) and what my professor and PhD advisor found on his desk (second picture):

Santa Claus, you evil man! You might think that he would give to the needy, but no: His own people (= wise old men) come first!

December 20 2009

janaherwig
11:41

Unibrennt-Minidoku von Dominik Gubi


Dominik Gubi a.k.a. @nacaseven hat eine knapp zehnminütige Doku über die Wiener Uniproteste und deren Ausweitung gefilmt, geschnitten, animiert, vertont, unter Beteiligung von Fabio Tiani, Georg Mahr, Luis Blackaller, Tom Schaffer (hier kann man die Karte der Proteste interaktiv anschauen), Christoph Liebentritt, Dominik Gubi, Lumbricus, Max Kossatz (seine Twitter-Visualisierung kann man hier zur Gänze betrachten) sowie Wortspenden von ebenfalls Max, Luca Hammerund mir. Watch it and fave it!

December 17 2009

janaherwig
17:24

Bilder schauen in die Zukunft


Und wie wird die? Nicole Kolisch hat dieses Foto, das wer sonst als meine Star-Peoplefotografin Karola Riegler the-newly-iPhoned-biatch hätte machen können, treffend untertitelt: „besonders großartig ist natürlich die kombi von dem hoffnungsvollen blick in die zukunft und dem #oasch-tag :) ) “ Soll das mein Profilbild für 2010 werden? Etwas quadratischer und es wäre perfökt für den Zweck.

December 16 2009

janaherwig
22:20

Possibly the longest tweet in world history: 255, no, 517 characters (without API!)


Up until yesterday, people assumed that the longest tweet in history had been 247 characters longs, posted by Taylor Buley on July 9th 2009 and reported to the world by Forbes Magazine. This record, however, has now been broken: Yesterday, on the 16th of December 2009, I, Jana Herwig a.k.a. @digiom, posted the longest tweet in history ever – 255 characters. Look at this baby:


And it’s even better than Taylor Buley’s, because his one was only fully visible after you clicked on the ellipsis – this feature has, however, now been switched off (try for yourself). Also, Taylor could only achieve this because he twittered from an API account. I did the deed posting from web.

But how did I do it? I cannot tell you WHY this worked, but I can tell you WHAT I did: For the first time ever, I noticed yesterday that Twitter is actually passing on a full URL if I hit the reply-button on the web interface: I had wanted to respond to a message from @martinthuer, but somehow the browser got stuck and I saw the following displayed in my browser’s address field:

http://twitter.com/?status=@MartinThuer &in_reply_to_status_id=6738222714@in_reply_to=MartinThuer

You can actually see these URLs if you hover your mouse above the reply link: they will be displayed at bottom in your status bar (if you use Firefox, that is). „That’s pretty cool“, I thought, „I have never noticed these links before.“

As twitterers often do, I wanted to tweet about my little epiphany, so I copied the link from the address field (you have to be really fast to copy them using right mouse click), and started writing a new tweet, beginning with „Bemerk zum 1. Mal diese URLS: “ (‘Noticing these URLs for the 1st time:’, in German) and then pasted the link and hit enter. And miraculously, what I got back was this purty 255 character tweet.

Again, I have no idea why this works. And what is displayed in this tweet is not even what I had copied: the http:// is omitted – at the same time, the blank space after http://twitter.com/?status=@MartinThuer has been replaced by %20, which is what happens if you have a URL with blank space. Bits of the link show up as hyperlink even though both @ or http:// are missing before the first MartinThuer.

But have I discovered a new way of tweeting? Barely, because all the space is used up by what looks like HTML code. And I doubt that you can go beyond 255 characters (which is, to my knowledge, the maximum of characters you can fit into a regular data table cell – don’t know which type of data encoding though) – raising my hopes that I might have set a record that no one can break:)

Go ahead and try for yourself – I am sooo close to my 11,111 tweet, which I’d like to post on Christmas eve, so I’m trying to keep quiet for now:)

EDIT: Also look at the baby in my time line – no farking ellipsis anywhere!

EDIT: (timestamp: 2009-12-17T06:33:54) Easy come, easy go – taking notice of my incredible feat, Twitter user @axkibe spent the whole night trying to snatch the record away from me. And succeeded. That was the shortest time I ever held a world record. I even had to zoom out to be able to take a screen shot! I still take pride in teaching him how to do it.

December 03 2009

janaherwig
09:37

BZÖ/FPÖ + Diskussion + Minarettverbot = eine Farce


Gestern hatte ich die Gelegenheit, als embedded social media person im Analysestudio von ATV am Punkt beim Thema „Minarett-Verbot auch in Österreich?“ dabei zu sein. Auch ohne ein solch brandheißes Thema ist amPunkt für TV-los lebende Webnerds wie mich ein geschätztes Format, dem ich bislang übers Web gefolgt bin: Die Sendung wird jeweils parallel über Facebook Live übertragen (und kann dort auch nachgeschaut werden), inkl. Möglichkeit zur Diskussion über den Chat.

Der Chat gibt übrigens den Realname (soweit dieser bei Facebook eingetragen ist) frei, was normalerweise der Diskussionkultur föderlich ist – das scheint entweder aber nicht allen klar zu sein, oder rechtskonservatives Gedankengut ist mittlerweile weit in den Mainstream gerutscht und wird daher auch mit dem Stolz der (leider) ansonsten Besitzlosen und vom System Gefickten vor sich her getragen.

Verwunderlich wäre es nicht angesichts der steten Bemühungen von Politikern wie Stefan Petzner (BZÖ, innen wie außen orange) und Herbert Kickl (FPÖ, laut Wikipedia Schöpfer der Ariel Muzicant-Verunglimpfungen), den Stolz auf gestrige Traditionen durch gebetsmühlenartiges Wiederholen derselben einer Prüfung zu entziehen und politische Argumentation auf inhaltsbefreite Oberflächenrhetorik zu reduzieren, um so haaresträubenden Behauptungen den Anschein von Gültigkeit zu geben.

So etwa gestern geschehen bei der Diskussion eines möglichen Minarettsverbots in Österreich – dass überhaupt über das Verbot von religiösen Bauwerken nicht generell, sondern spezifisch über das Verbot von den Bauwerken einer bestimmten Religion gesprochen wird, diese Diskriminierung mag am plausibelsten mit einer zunehmenden (wie wohl irrationalen) Angst vor „dem Islam“ gerechtfertigt werden.

Dass es „den Islam“ nicht gibt, kümmert im BZÖ/FPÖ-Lager freilich niemanden, ebenso wenig, dass es sich bei dieser Angst um eine Manifestation der tief verwurzelten Angst vor dem Anderen handelt, die weiter sich verbindet mit dem Versuch, Identität durch Abgrenzung von anderen zu schaffen, was eine in den Geistes- und Sozialwissenschaften (auch der Philosophie, die Kickl ja studiert haben soll) seit langem bekannte, menschliche Differenzierungsleistung ist.

Im Fall der Rechtskonservativen – und das ist nur eine besonders sich-ans-Hirn-greif-Reflexe auslösende Perle aus der Kollektion der Oberflächenrhetorik, welche die FPÖ/BZÖ-Agitatoren gestern anwandten – wird diese Angst vor dem Anderen dann auch noch umgedeutet und gleichgesetzt mit etwas ganz anderem:

Die Angst, die manche spürten habe laut Kickl nämlich einen realen Grund, würde uns vor einer realen Gefahr schützen. Anders ausgedrückt würde dies bedeuten: Nicht mit dem, der Angst vorm sprichwörtlichen schwarzen Mann hat, sei was faul, sondern mit dem sprichwörtlichen schwarzen Mann, denn wenn es nicht so wäre, würde der Ängstliche ja keine Angst haben. Was ein erschütternder Blödsinn aus dem Munde eines Menschen mit politischer Verantwortung.

Diese Gleichsetzung ist zwar erkennbar unlogisch und bewusst unangemessen, dient dann aber der Rechtfertigung von Fremdenfeindlichkeit und dem Schüren aufglimmender Pauschalverdachtsmomente. Der Aufklärung, die laut Petzner (wiederum in einer Geste der Pauschalisierung) am Islam vorbei gegangen sein soll, wird da nach Belieben der Garaus gemacht.

Und auf diesem Niveau der plakativen Fehlschüsse bewegte sich die FPÖ/BZÖ-Argumentation in bekannter Manier die ganze Sendung hindurch. Es wäre zu viel der Liebesmüh, deren angebliche Argumente widerlegen zu wollen – die Notwendigkeit besteht gar nicht, dieser Mist macht kein Geheimnis aus seiner Mistigkeit.

So sehr nun die Notwendigkeit besteht, Personen, die solchen Blödsinn als politisches Argument versuchen zu tarnen, eine Bühne zu geben wenn diese Teil einer im Nationalrat vertretenen Partei sind, so nervtötend ist dies doch auch, denn eine der Sache angemessene Diskussion kommt bei FPÖ/BZÖ-Beteiligung grundsätzlich nicht zustande und auch beherzte ModeratorInnen können da kaum eingreifen.

SPÖ-Mitglied Omar al Rawi nahm den rhetorischen Kampf tapfer auf, wurde aber im Bedarfsfall einfach von Petzner und Kickl niedergeblökt und entschied sich schließlich, deren Halbwahrheiten, Unterstellungen und Flachschüssse ebenso zu unterbrechen. Einzig Farid Hafez vom für Institut Religions-und Kulturrecht blieb über die Diskussionrunde hinweg zivilisert, brachte klare Argumente an – das stärkste: dass der Vergleich mit der Diskriminierung christlicher Minderheiten in undemokratischen Staaten kein Argument sein könne, ebenso wie diese undemokratischen Staaten vorzugehen – wurde aber ebenso übertönt und abgebrochen.

Nun ja. Seien wir gespannt auf die kommenden Wahlkämpfe, insbesondere die Gemeinderatswahlen im folgenden Jahr in Wien. Da wollen die Grünen z.B. die Mehrheit der SPÖ brechen. Ein wenig Dekonstruktion der hanebüchenen Schwachheiten, die von rechtskonservativen Politikern als Programm verkauft werden, scheint mir selbst deutlich dringlicher. Möchte eigentlich niemand ein FPÖ/BZÖ-Watchblog starten? Es wird Zeit, den Blödsinn auseinander zu nehmen.

Nichtsdestotrotz – der Abend im Analysestudio war in höchstem Maße spannend und vor allem aufregend, im positiven (tolle Einblicke hinter die Kulissen gewonnen) wie im negativen (sich-die-Haare-raufen-wollen, dass solche Hasshülsenproduzenten gewählt werden) Sinne.

P.S.: Und, bitte, Herr Petzner, wenn Ihnen die Kirche im Dorfe was wert ist, dann berufen Sie sich doch nicht immer auf Ihre angeblich christlichen Werte, damit treiben Sie Ihre MitchristInnen nur dazu schleunigst von diesem Glauben abfallen zu wollen. Im übrigen empfehle ich denjenigen, die das nicht gleich tun wollen, den Übertritt in die evangelische Konfession, denn die evangelische Kirche Österreichs hat zumindest ihre Bestürzung über das Minarettverbot klar ausgedrückt. Und sieh da: In Österreich hat das Verbot von anderen als römisch-katholischen, religiösen Bauwerken Tradition:

[Der evangelisch-reformierte Landessuperintendent Thomas] Hennefeld betont, dass Muslime im Sinn der Religionsfreiheit und im Rahmen der Bauordnung das Recht haben sollten, Moscheen mit Minaretten zu bauen. Die aktuelle Debatte erinnere die Evangelischen Kirchen an ihre eigene Geschichte. So mussten lange Zeit evangelische Kirchen in Österreich „möglichst unsichtbar“ sein, Türme und Glocken waren verboten. Hennefeld: „Wir wollen nicht, dass das Muslimen widerfährt.“

Und auch für diejenigen, die sich zumindest ein bisschen Diskriminierung wünschen hat die evangelische Kirche was zu bieten, etwa wenn Glockenlaut und Gebetsruf gegeneinander abgewogen werden:

Die Evangelischen Kirchen sprechen sich aus für eine „Religionsfreiheit ohne Naivität“, erklärt [der evangelisch-lutherische Bischof Michael] Bünker. Die Rechte von Kirchen und religiösen Minderheiten in muslimischen Ländern müssten verbessert und gesichert werden. „Bei uns müssen sich die Betreiber von Moscheebauten bewusst sein, dass sie mitverantwortlich sind für die Gestaltung von Religion im öffentlichen Raum. Daher braucht jeder Moscheebau die Akzeptanz in der unmittelbaren Umgebung.“ Das betreffe zum Beispiel den Brauch des öffentlichen Gebetsrufes. Religionsfreiheit finde ihre Grenzen in den Grundrechten anderer Bürgerinnen und Bürger.

Ernsthaft – wo greift ein Gebetsruf in Grundrechte ein? Desweiteren: Suche gerade nach Pressemeldungen der römisch-katholischen Kirche in Österreich – wann äußert die sich endlich?

Weitere Links:

ATV-Blitzumfrage für „Am Punkt“ – 47 % der Österreicher für Bauverbot von Minaretten
Schweizer Bischöfe: Ja zum Minarett-Verbot Hindernis für Integration

Peter Hajek klagt BZÖ-Wahlkampfleiter Petzner

„Kleine Zeitung“ Kommentar: „Das Schweizer Minarettverbot verstößt gegen Menschenrechte“ (Von Ingo Hasewend)

December 01 2009

janaherwig
21:53

14.12. Erst: Tweetup. Dann: YouTube Weihnachtskino


Erstes ist ein Vorschlag, der sich materialisiert, wenn Leute kommen (ich bin fix da), zweites ist fix: Am 14.12. wird wieder ein von der Gruppe Internetforschung ausgerichtetes YouTube-Kino im Raum D des Quartiers für Digitale Kultur im Q21 (Google Maps) stattfinden.

Das Thema diesmal ist „Das Sakrale und das Profane (a.k.a Weihnachtskino)“.

Ab 19:30 Uhr werden eine Auswahl YouTube-Filme plus Kommentar von Forschungsgruppenmitgliedern vorgetragen. Das Programm wird 90 Minuten umfassen, wenn danach noch Lust und Zeit ist, können weitere vorgeschlagene Videos von BesucherInnen betrachtet werden.

Eintritt frei (danke, QDK) – Punsch, Becher und Spekulatius können mitgebracht werden. Wie Thomas Thurner so schön schrieb:

Anstatt Kekse in den Ofen zu schieben, kann man auch mal in die Röhre schauen. Ein wahrscheinlich gar nicht so besinnlicher Abend mit der Gruppe Internetforschung.

Hope to see you there! Und vielleicht vorher schon – bei einem Weihnachtstweetup an selbiger Location ab 18:30 Uhr.

Hier geht’s zu den Events auf Facebook:
Weihnachtstweetup

Weihnachtskino

(Location auf Google Maps)

P.S: Punsch kann man vielleicht von draußen bekommen, wobei ich mich noch nicht mit der Frage beschäftigt habe, ob es den Weihnachtsmarkt noch gibt, jetzt da die Enzis verbrannt sind. Ein oder zwei Tüten Spekulatius bringe ich aber mit, evtl. auch zwei Tetrapaks Glühwein und einen Wasserkocher, aber darauf gibt es noch keine Garantie. So oder so: Die Twittergemeinde ist sehr gewachsen im letzten halben Jahr (seit dem letzten Tweetup im April) – jetzt wär’s mal wieder Zeit zum Reality Check.

Reposted bykonnex konnex

November 27 2009

janaherwig
18:26

Oscar Bronner: „auf Augenhöhe und ohne versteckte Agenda“


Christoph Chorherr’s Wunsch nach einem detaillierten Blogpost kann ich derzeit nicht nachkommen, bedanke mich aber für den Hinweis auf Oscar Bronners Prolog über den Qualitätsjournalismus. Besonders der vorletzte Satz des Standard-Herausgebers sprang mir ins Auge – durch meinen Tunnelblick bedingt – und dem frommen Wunsch schließe ich mich an. Hervorhebungen von mir.

Denn Qualitätsjournalismus wird nicht nur durch die Höhe der eingesetzten Mittel definiert sondern auch durch einige andere nicht ganz unwichtige Ingredienzien wie zum Beispiel Unabhängigkeit, Überparteilichkeit, Wahrhaftigkeit, Lauterkeit, Fairness, Wahrung der Menschenwürde, Kommunikation mit den Lesern, Hörern, Sehern oder Usern auf Augenhöhe und ohne versteckte Agenda.

Wenn wir uns jetzt mit den Nöten des Qualitätsjournalismus in einem immer komplexer werdenden Medienmarkt beschäftigen, sollten wir alle auch überprüfen, inwieweit wir diesen Kriterien des Qualitätsjournalismus gerecht werden, die von keinerlei Krise tangiert sind.“

janaherwig
14:56

Über die Muftimedialität


In der online verfügbaren PDF-Variante von Jens Schröters schon klassischem Artikel von 1998 zu Intermedialität fand ich folgende Perle – die Muftimedialität. Ist das nun ein Typo, der seit 1998 in dem Text war und nie korrigiert wurde, auch nicht für die Online-Publikation? Handelt es sich um eine absichtliche Fehlleistung, um so in den Kreislauf des ewig weiter Kopierten eine Störung einzuspeisen? Zwischen f und l liegen vier Tasten. Vier Tasten zu viel für den Zufall? Oder ein Fall von editorialer Verpflichtung gegenüber der Druckfassung?

P.S. In der Onlinefassung auf der Website von Jens Schröter ist es korrigiert – fast schade um die schöne Perle.
P.P.S. Sowas – im Archiv von montage / av kann man den Text eh nicht herunter laden, da er dort nicht mehr verlinkt ist. Da hat wohl wer vergessen, dass PDF zu löschen, das bei der Suche nach ‘Jens Schröter Intermedialität montage/av‘ an erster Stelle erscheint – und das nenn ich dann wirklich Muftimedialität: die Wiederkehr der alten Dateien:)

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