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November 19 2009
Warum Armin Thurnher den #wolo09 nicht bekam – was wirklich geschah
VERKEHRTE WELT: Gestern abend wählte ich, die Bloggerin, die Telefonnummer von Journalistin Ingrid Brodnig, um herauszufinden, wie es zu folgender Meldung im aktuellen Falter gekommen war.
„Ingrid Brodnig saß vergangene Woche in der Jury des Wolfgang-Lorenz-Gedächtnispreises. ORF-Programmdirektor Lorenz hatte seinerzeit das ‘Scheiß-Internet’ verdammt. Mit letzter Kraft verhinderte Brodnig, dass Falter-Chefredakteur Armin Thunrher abgepreist wurde. Statt seiner bekamen die Wiener Grünen den Award.“
Nicht so wichtig, dass der Preis Gedenk- und nicht Gedächtnispreis hieß – hier ist das Ergebnis des Telefonats: Brodnig hat selbstverständlich nie in der Falterredaktion behauptet, sie hätte die Abpreisung Thurnhers mit letzter Kraft verhindert – und sie hat auch nicht versucht, auf ihre KollegInnen Einfluss zu nehmen, als diese die Meldung verfassten (wobei man sich hätte wünschen können, dass ihre KollegInnen sie kontaktiert hätten). Nichts anderes hatte ich übrigens erwartet, da Ingrid auch im Vorfeld der Preisentscheidung für den Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für internetfreie Minuten an keiner Stelle versuchte auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen, soll heißen: weder pro noch contra Preis-für-Thurnher argumentierte.
Tatsächlich war sie zu dem Zeitpunkt, an dem Manfred Bruckner, Johannes Grenzfurthner, Thomas Thurner und ich in der MQ Kantine über die Preisvergabe befanden, vor Ort im Audimax, um die Hintergründe der Studierendenproteste zu recherchieren. Hätte sie Einfluss nehmen wollen, hätte sie das über die laufende Emailkommunikation jederzeit tun können – integer wie sie ist, hat sie das natürlich nicht getan, sondern hat sich auf die Recherche der von ihr betreuten Nominierungen (Jako/Jack Wolfskin für den Blogger-Abmahnwahn, Wolfgang Schüssel fürs Lebenswerk) konzentriert.
Als sie die Meldung gestern morgen las, so berichtete sie mir, interpretierte sie das ganze als einen internen Redaktionsschmäh. Auch wisse sie nicht, ob diese Meldung vorher von Armin Thurnher gegen gelesen worden war oder nicht – darf ich meine persönliche Vermutung äußern, dass es sich um ältere und/oder männliche KollegInnen handelte, die diese Meldung verfassten?
Gestoßen war ich auf diese Meldung übrigens via Martin Blumenaus Journal (und kopiere daher auch den Dreher im Namen mit, wo auch immer der sich zuerst ereignete), und mit dieser seiner Ansicht sympathisiere ich sehr:
Wie steht Ingrid Brodnig, von Thurnher eh gern öffentlich als unkritische Coke-Zero-Trinkerin belächelt, denn jetzt da? Als ergebenes Tschapperl, als uneigenständige Leibeigene, als biederes Unterläufel.
Mir ist völlig klar, worauf die bevorstehende Verteidigungs-Strategie hinauslaufen wird: es war doch ironisch gemeint. Abgesehen davon, das der Rest der nämlichen „Aus der Verlag“-Spalte auch komplett unironisch und faktenaufzählend ist, wäre auch das keine akzeptable Ausrede. Der Schaden für Brodnig ist so und so angerichtet.
Hier ließen sich jetzt etliche Reflexionen zum Verhältnis von Journalismus und Blogging anschließen – etwa, dass Blogs unabhängig von der Verkaufsfrage oder dem zu Verfügung stehenden Seitenvolumen diskutieren können, was immer den AutorInnen relevant erscheint (auch so kleine Meldungen wie die im Falter!) , dass etwa auf Blogs die Studierendenproteste intensiv diskutiert wurden, während der Falter sich noch nicht zum Audimax-Cover entscheiden konnte, und dass zur gleichen Zeit die eigenen blinden Flecken, die sich etwa in dieser Meldung äußern, ebenso aus dem Blickfeld der hier Agierenden geraten, wie sich natürlich auch BloggerInnen wie ich nicht über anonyme Flamewars auf derstandard.at definieren.
Was für mich in dieser Meldung aber im Zentrum steht, ist die herablassende Sicht auf die Arbeit Ingrid Brodnigs – wie Blumenau höre ich alle Gegenargumente, „alles nur ironisch“, „war doch nur eine kurze Meldung“, „war eh nur ein Schmäh“, etc. pp. Hey! Wer die Gelegenheit hatte, Ingrid Brodnigs Arbeit näher kennen zu lernen (und ich hatte das z.B. im Rahmen der Grünen Vorwahlen), der weiß, dass sie für den österreichischen Journalismus der nächsten 30 Jahre nicht nur relevant, sondern eine der großen Stützen sein wird: mit Blick auf die Genauigkeit der Recherche, mit Blick auf dem Umgang mit InformantInnen, mit Blick auf die persönliche Integrität von der sie sich leiten lässt.
Wer das nicht sieht, und wer solche Meldungen verfasst, ist vermutlich nur neidisch oder hat Angst vor ihrer Konkurrenz. Und gerade Frauen, erst recht junge Frauen, werden ja gerne in dieser Weise gedisst. Shame on them, whoever they were!
Je nun. Der Hauptfürsprecher dafür, dass Thurnher den Preis nicht bekam, war ein ganz anderer, und wer es war, kann man gut der dokumentierten Mashup-Nominierungsrede entnehmen. Er hat uns nicht weichgeklopft, sondern überzeugt – abgesehen davon geht’s mir wie Martin Blumenau:
Die Internetdebatte hängt mir vollends zum Halse heraus – auf eine Neuauflage durch eine Preisvergabe an Thurnher hatte ich sicher keine Lust. Davon abgesehen: Niemand im Web braucht Thurnhers Segen, um auch weiterhin das zu machen, was einen interessiert: genau beobachten, Details diskutieren für die sich kein Printmedium interessieren kann, Blogs den Anlass für Reliteralisierung sein lassen, und uns nicht ins Bockshorn jagen lassen von denen, die Blogging diskreditieren wollen, um Kritik und freie Meinungsäßerung klein zu halten.
(Pic by Karola Riegler)

November 18 2009
Nominierung in der Kategorie ‘Beleidigter Leitartikler’ #wolo09
Vorgetragen bei #wolo09 in Wechselrede von @heinz und @digiom:
Die folgende Nominierung für den Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für internetfreie Minuten 2009 ist keine persönliche, d.h. weder eine auf eine private Persönlichkeit bezogene, noch eine von einer einzigen Person verfasste.
„Armin Thurnher sorgt sich in seinem Kommentar Warum ich mich weigere, das Internet als Medium wirklich ernst zu nehmen im Falter vom 17.12.2008 um die Qualität der öffentlichen Diskussion. Ich fürchte, dass Interventionen wie dieser Artikel dem Niveau der Debatten über die Medien mehr schaden als nutzen, denn sie zielen nicht auf das Internet sondern auf eine Karikatur des Netzes: Urheberrechtsverletzer, anonyme Poster, gefakete Identitäten und irrationale Suchmaschinen-Algorithmen bestimmen das Bild. [...]“
„Beim Internet Summit [...] ist man der Frage nachgegangen, wie sich Soziale Netzwerke wie Facebook, Xing und studiVZ auf das reale Leben auswirken. [...]
Während die Moderatorin Andrea Hammer [...] einen „realen Druck aus der virtuellen Welt“ verspürt, wenn sie in ihrem Facebook-Account längere Zeit keine Statusmeldungen veröffentlicht, hat Armin Thurnher [...] in seiner Redaktion ganz andere Beobachtungen angestellt.
Seine Mitarbeiter würden sich hysterisch und motorisch gestört verhalten, wenn sie Soziale Netzwerke nutzen. Er orte zudem eine Absenz im Dialog, das Fehlen einer direkten Kommunikation und eine Steigerung des Narzissmus, so Thurnher.
Aufgrund dieses asozialen Effekts, der schlechten Beispiele in seiner Redaktion, würde er selbst auch niemals ein eigenes Weblog betreiben wollen. „Web-Medien sind parasitär,“ fuhr Thurnher fort. „Sie verlassen sich auf alte Medien und recherchieren nicht selbst. [...]“
„Armin Thurnher hat gerade offline seinen ersten Flamewar angezettelt und ich will ihm jetzt mal ausnahmsweise nicht unterstellen, dass er gar nicht wüsste, was das denn sei. [...] “
„Thurnher wird im nächsten Falter auf die Webdebatte eingehen. Wir wollen eine richtige Diskussion führen. Verschiedene Meinungen gewünscht!“
„ Thurnher [...] ist der wichtigste Kolumnist des Landes, also ein Profi, der sich hochöffentlich äußert und ein Recht drauf hat, ernstgenommen zu werden.
Das Problem dabei ist: Er unterliegt dem Zwang, sich zu einem seiner blinden Flecken zu äußern; das muss schiefgehen. [...]“
„Diese Kolumne Thurnhers soll jetzt also Diskussionbereitschaft signalisieren? Ich sag’s mal so: Thurnher benimmt sich possessiv und ressentimentgeladen. [...]“
„Wer wird den da jetzt gerade als Internetfeind Nr.1 von der Blogosphäre durch den Wolf gedreht? Armin Turnher, Faltergründer, einer der wenigen Querdenker des Landes, beinahe einziger Widerstandskämpfer gegen den Mediamilkomplex, beherzter Dagegenhalter gegen den Haiderpopulismus und noch einges mehr.“
„[...] vielleicht ist es vor allem der Neid, der Thurnher jetzt umtreibt, denn den Mediamil-Komplex und noch ein paar andere Printdinosaurier werden wir zerschlagen, wir Meerschweinchen.“
„ Weil Medien wie Standard, ORF und Presse die Partizipationsarchitektur ihrer Online-Foren nicht in den Griff bekommen und diese anonymen Trollen überlassen, weil Facebook und Twitter ihm die Aufmerksamkeit der eigenen Redakteure streitig machen, weil Online-Mundpropaganda – Überraschung! – verkürzt, vereinfacht und polemisiert anstatt journalistisch korrekt zu differenzieren, verweigert Thurnher dem größten kulturellen Ereignis seit Gutenberg seine Teilnahme. [...] Ich gebe zu, das wurmt mich. [...]“
Lieber Armin Thurnher (und hier versuchen wir die Stimme der Blogosphäre durch uns sprechen zu lassen), diese Nominierung ist auch so etwas wie eine implizite Liebeserklärung, denn eigentlich, lieber Armin, mögen wir dich ja nicht nur sehr, sondern wollen auch von dir gemocht werden. Dass du nicht teilhaben willst an dem, was wir entdeckt haben, das wurmt uns.
Wirst du uns aber auch dazu treiben können, dir dafür einen Preis zu geben? We shall see.
In Liebe: Deine Meerschweinchen.
—
Über #Wolo09: Dem „Scheiß Internet“, in das sich junge Menschen „verkriechen“, hat ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz im Herbst des Jahres 2008 den Kampf erklärt. Wenn das nicht Grund genug ist, nach dem Visionär einen Preis zu benennen, was dann? Das Wiener KünstlerInnen-Kollektiv monochrom hat deshalb den „Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten“ gestiftet. Den Preis bekam aber nicht Armin Thurnher.Mehr auf der Seite von monochrom.
(Pic by Karola Riegler)

November 15 2009
Nominierung in der Kategorie Social Media Guru #wolo09
Die folgende Nominierung für den Wolfgang-Lorenz-Gedenkpreis für internetfreie Minuten 2009 ist eine Nominierung in Stellvertretung. Sie ist verdient weniger allein von dieser einzigen Person, sondern ist im selben Atemzug auch all jenen gewidmet, die der Ansicht sind, dass der Mensch sich im Würgegriff der Technik befinde, einem mitunter als liebevoll oder sogar lustvoll gedeuteten Würgegriff zwar, aber eben doch unerbittlich dem, was die Technik uns erlaube oder verbiete, ausgeliefert.
Hervorgetan als Prediger wie Apokalyptiker zugleich hat sich im vergangenen Jahr und soll daher mit einer Nominierung gewürdigt werden:
Ibrahim Evsan – es macht nichts, falls Sie diesen Namen nicht kennen, da dies ja eine stellvertretende Nominierung ist. Nennen wir ihn im Folgenden also:
den Social Media Guru,
und lernen wir aus seinem Beispiel, um andere seiner Art zu erkennen.
Der Social Media Guru war Gründer eines Videoportals. Seit er dort aus der Geschäftsführung ausschied, ist er als „Expert für Social Media“[1] tätig und veröffentlicht demnächst ein Buch mit dem Titel „Der Fixierungscode“.
Die Domain www.fixierungscode.de ist bereits eingerichtet, verlinkt auch unmittelbar weiter auf Amazon.de, wo in das Buch, dessen Autor laut Cover den Namen IbrahimEvsanPunktde trägt, leider noch nicht Einsicht genommen werden kann.
Tu Felix Austria, denn der Social Media Guru war Anfang Oktober zu Besuch[2] in Wien um zu predigen über das Kommen des Fixierungscodes.[3] Diesem Code, der in Maschinen wohnt und sich „wie ein trojanisches Pferd in unser Bewusstsein schleicht“[4] können wir uns nicht entziehen. Er ist in höchstem Maße ansteckend:
„Wenn ich an einer Maschine vorbeigehe,“ so der Guru, „erst dann empfinde ich so eine Fixierung, erst dann will ich wissen, was geht ab [im Social Web, Anm. JH] – aber wenn ich von der Maschine weggehe und schöne Inseln, traumhafte Strände sehe, dann denke ich nicht drüber nach.“ [3]
Wohl dem, der schöne Inseln, traumhafte Strände hat.
Die übrigen jedoch müssen fürchten, durch die Sammelwut, in die der Fixierungscode sie treibt, hochkriminell zu werden, denn weil alles im Netz zum Download steht, muss alles auch herunter geladen werden.
Wer jetzt glaubt, der Guru wolle das Web oder Internet abschaffen, der irrt – das Gegenteil ist der Fall:
„Ich habe Riesenprobleme mit Freunden, die Facebook nicht nutzen“, ließ er uns wissen. „Es ist so, dass einige in der Gesellschaft [die Offliner, Anm. JH] sich immer mehr von mir entfremden.“ [3]
Doch zum Glück gibt es Kräfte, die das Web aufrechterhalten: die „digitalen Supermächte“, „die Großen, die Mächtigen,“ die uns „einfach mal so überrumpelt haben“ sollen, weil sie „ genau wissen, dass die Menschen fixiert sind.“ Und, so der Guru, „diese digitalen Supermächte entwickeln sich immer weiter, werden immer größer.“ [3]
Was kann der Ausweg sein aus diesem Dilemma?
„Ich denke sehr oft drüber nach“, so der Social Media Guru, „mit meinem Team weg zu gehen, [Angebote gibt es], weil hier ist es depressiv. Hier ist doch der Onliner nicht ernst genommen.“ In eine Gegend zieht es ihn, in der gute Ideen auch mit 100 Millionen Venture Capital belohnt werden.
Wenn du die digitalen Supermächte nicht schlagen kannst, so verbünde dich mit ihnen?
Fazit:
Einen Social Media Guru erkennen wir an der Extremität der Aussage:
Die Technik soll uns radikal verkehrt, verdreht, von innen nach außen gekehrt haben und wir können nichts tun als ihr hinterher hecheln – oder aussterben. Verblüffend oft stellen wir dann fest, dass diese Radikalität vor allem ein Verkaufskonzept ist – für das Buch, die Keynote, den Beratungsauftrag.
Geben wir Ibrahim Evsan den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis 2009, als würdigen Stellvertreter für alle jene, die den Übergriff der Technik predigen und gut daran verdienen.
[1] http://www.ibrahimevsan.de/about/
[2] http://www.digitalks.at/digiday09/
[3] http://www.ustream.tv/recorded/2368848 (Video der Wiener Rede)
[4] http://www.ibrahimevsan.de/2008/05/20/der-fixierungs-code
EDIT: Veröffentlicht via Smartphone, Verlinkung wird nachgetragen, danke derweil für die Nutzung von Copy/Paste und Suchmaschinen. Verlinkung ist mittlerweile nachgetragen! Ich war in der Jury des WoLo09, dies ist meine Nominierungsrede. Eine Rückfrage erreichte mich per Twitter über eine anonyme NutzerIn:
@digiom schon ist 1 gewagte aussage. ich hab die nominierungen vorab nirgendwo gefunden. übersehen? gar nicht publiziert? Link
Nein, gab es vorab gar nicht! Wir haben uns bei dem Preis an den Gedanken des internetfreien Lebens gehalten und uns darum auch um Intransparenz bemüht – wer nicht da war, wusste auch nicht wer gerade nominiert wird. Wir haben’s dann aber eh schnell getwittert – @nefrage hat’s ja auch so gefunden und sich sogar zum Rückfragen bei Twitter registriert – solche Förderung der Verbreitung von Internetnutzung war natürlich, wie @nefrage richtig erkannte, nie unser Ziel gewesen:
@digiom da ich nur auf twitter infos gefunden habe und nachfragen wollte, hab ich mich registriert. darum. nicht euer ziel? Link
Nun ja, meine Antworten (Verweis auf Google sowie meine Timeline) haben ihn oder sie nicht so ganz befriedigt:
@digiom ich wollte 1 zusammenfassung, kein 140-zeichen-puzzle. man sollte alte tugenden ob neuer möglichkeiten nicht vergessen
Link
Und ist ja auch so – 140 Zeichen können ganz schön kryptisch sein. Lieber die Finger weg lassen vom Internet! Dann kann man sich nicht fixieren lassen und auch nix plagiieren – Stecker raus! (Meine private Vermutung oder Hoffnung ist ja, dass @nefrage irgend jemand Nominiertes ist, der einen Google Alert auf seinen Namen eingerichtet hatte – das wäre allerdings ein Widerspruch in sich, vor den Gefahren des Internets warnen und seine Services aber emphatisch nutzen, deswegen wird es wohl auch sicher nicht so gewesen sein).
Im nächsten Jahr müssen wir dringend den Österreichischen Internetrat hinzuziehen, der ja auch im Fall „The Concerned Public vs Krone Multimedia GmbH & Co KG“ schon so weise entschloss:
Quod licet iovi, no licet bovi! Was in der Kronen-Zeitung (Print) niemanden interessiert, weil man diese sowieso nur zum Ofenanfeuern verwendet, das wird online schnell zum Bumerang. Was hüben als “Freies Wort” erscheint, das rächt sich drüben. Daher, liebe Kronen-Zeitung: Keine Leserbriefe mehr online veröffentlichen! Nie wieder Medienkonvergenz! Jedenfalls nicht, bevor die Krone ihre Kampagne zur Freiwilligen Ethischen Selbstkontrolle gestartet hat, die sich dann sicher auch auf die Leserschaft auswirken wird.
Über #Wolo09: Dem „Scheiß Internet“, in das sich junge Menschen „verkriechen“, hat ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz im Herbst des Jahres 2008 den Kampf erklärt. Wenn das nicht Grund genug ist, nach dem Visionär einen Preis zu benennen, was dann? Das Wiener KünstlerInnen-Kollektiv monochrom hat deshalb den „Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten“ gestiftet. Mehr auf der Seite von monochrom.

November 14 2009
Ich geh hin: zur 63. Landesversammlung der Grünen
Die Grünen Vorwahlen. Nur mit Bauchschmerzen mag ich mich zurück erinnern an die Absurditäten, die sich ereigneten, weil eine Gruppe ParteisympathisantInnen ihre Sympathien zwar in Übereinstimmung mit dem Statut, aber nicht in Übereinstimmungen mit den dominierenden Kräften in der Partei zum Ausdruck brachte. Meine Blogposts dazu habe ich daher vor einiger Zeit schon auf ‘privat’ gesetzt.
Jetzt naht der Tag der Entscheidung – die Landesversammlung, für welche die VorwählerInnen die Trommel rühren wollten. Die vielen gläsernen Wände, die den VorwählerInnen in den Weg geräumt wurden (manche waren auch aus Holz) haben die Sympathie auf ein Maß herunter gedrückt, mit dem die Partei umgehen kann. Von 445 VorwählerInnen, von denen 230 aufgenommen wurden, werden jetzt wie viele kommen? 16 (davon aber: zwei Grüne Mitglieder, ein Kandidat) haben ihreTeilnahme auf Facebook bestätigt. Ich bin dabei – das hab ich mir hart genug verdient!
Ab 8:30 ist Einlass im Austria Center, um 9 geht’s morgen am 15.11. los – weitere Infos unter ichkandidiere.at/landesversammlung/.

November 13 2009
Original und Kopie – der Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten
Morgen, Samstag, 14.11. um 20 Uhr ist es soweit im Figurentheater Lilarum – der Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten (Hashtag #wolo09) wird verliehen! Eintritt ist frei!
Die OrganisatorInnen im Monochrom-Umfeld haben weder Kosten noch Mühen gescheut um eine Replika des im letzten Jahr gestifteten Preises (der immer für Wolfgang Lorenz reserviert bleibt) zu erstellen – das Ergebnis ist mehr als verblüffend!
Mehr über den Preis (via Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten):
Dem „Scheiß Internet“, in das sich junge Menschen „verkriechen“, hat ORF-Programmdirektor Wolfgang Lorenz im Herbst des Jahres 2008 den Kampf erklärt. Wenn das nicht Grund genug ist, nach dem Visionär einen Preis zu benennen, was dann? Das Wiener KünstlerInnen-Kollektiv monochrom hat deshalb den „Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten“ gestiftet.
In einer großen Verleihgala am 14. November 2009 um 20 Uhr im Wiener Figurentheater Lilarum werden jene Menschen ausgezeichnet, die im letzten Jahr durch Wort und Tat völlig unqualifizierte Statements gegen das Informationszeitalter abgeliefert haben. Ein Lobesschwanengesang auf die kommunikationstechnologiefeindlichsten und kulturpessimistischsten Distinktionsgewinnler! Und -innen!
Die hochkarätige Fachjury, bestehend aus
- Jana Herwig, Medienwissenschaftlerin
- Manfred Bruckner, Wissensmanager, Inhouse GmbH der Wirtschaftskammern Österreich
- Ingrid Brodnig, Journalistin/Falter
- Thomas Thurner, Quartier für digitale Kulturmusste sich zwischen realitätsfremden Leitartiklern, angeblichen Basisdemokratlern und auch sonst allerlei denkwürdigen Meinungen entscheiden.
Im Rahmen der triumphale Abendshow in Wien werden auch diverse Ehrengäste zu Wort kommen:
- Heinz Wittenbrink, Medienwissenschaftler
- Christoph Chorherr, Die Grünen
- Franz Ablinger, Student und Experte
- Andreas Klinger, ein Socialist
- Evelyn Fürlinger, Gesangswunder, Nutzerin
- Roland Gratzer, Mediendrüse
- Max Kossatz, der @karliDer Host: Johannes Grenzfurthner, monochrom

#unkomm, später
Eine ganze große Freude und Überraschung hat mir Karola Riegler gestern bereitet – von ihrem Besuch auf der All2gethernow (a.k.a. #unkomm) im September brachte sie mir dieses tolle Shirt mit. Solche Leiberl konnte man gleich vor Ort drucken lassen – wow #a2n, wow #unkomm, wow Karola! Danke sehr!

November 11 2009
Twitter bildet ab jetzt Retweets ab – auf einigen wenigen Profilen
Ich mag seit 2007 auf Twitter sein – beim Rollout von neuen Features wie den Trending Topics, den auf dem Profil speicherbaren Suchen, den Listen und jetzt bei der twitterseitig unterstützten Retweetfunktion war ich leider nie unter den ersten, die damit gesegnet wurden;-) Seit dem 5. November verteilt Twitter unterstütztes Retweeting auf einzelne Profile – die erste Person in meinem Twitterstream, die davon berichtete, war Eva Mader aka @neongoldig. Sie war so nett, gleich ein paar Screenshots davon zu machen – ‘my first look at Project Retweet’ (fein, dass ihr Twitter-Wallpaper auch zu meinem Blog passt:-P).
Schaut spannend aus – zum einen werden einem, wie es aussieht, Retweets eigener Tweets durch andere angezeigt (auch wenn man diesen nicht folgt?), Retweets nicht mehr als Post der Person, der man folgt, sondern als Post der Person, die das Originaltweet schrieb angezeigt (drunter steht dann: Retweeted by @username der Person, der man folgt). Und scheinbar kann man Retweets sogar wieder rückgängig machen. Lance Ulanoff von PCmag ist allerdings nicht so begeistert - derzeit kann wohl nur einfach ‘as is’ retweeten, den Tweet aber nicht noch einmal vorher editieren. Mitte August 2009 war Project Retweet angekündigt worden.
Edit [2009-11-11T14:56:05] : Neue Features scheinen stündlich eingebaut von den UserInnen entdeckt zu werden – etwa kann man auch einzelne Personen blocken („Zeig mir keine Retweets von Profil Y“) oder nach Retweets filtern („Deine Retweets, die von anderen, deine geretweeteten Tweets“). Bin mir nicht sicher ob die Richtung stimmt. Insbesondere die Tatsache, dass nur komplette Retweets und keine Kommentare möglich sind, scheint mir das kreative Potenzial der Twitterkollektivs zu begrenzen.
(Pictures by Eva Mader, @neongoldig)
Related articles by Zemanta
- Twitter ReTweet finally here!! Duh (mydigitallife.co.za)
- Zee.: Twitter opens up retweets to more users! Have you got’em? (thenextweb.com)
- Hate It Or Love It, Twitter’s New Retweet Style Is Rolling Out (techcrunch.com)

November 09 2009
Völlige Gleichstellung JETZT
Hiermit bitte ich darum, sich kurz Zeitz zu nehmen für die folgende Petition, die man hier auch gleich unterschreiben kann:
Erstklassige Rechte, statt letztklassiges Gesetz!
Seit vielen Jahren kämpfen Lesben, Schwule und Transgender für die völlige rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung. Vor 20 Jahren führte Dänemark als erstes Land der Welt die Eingetragene Partner_innenschaft ein. Mittlerweile öffnen immer mehr europäische Länder die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Das Konzept des 21. Jahrhunderts muss daher lauten: Völlige Gleichstellung ohne Kompromisse! Wir sind mitten in der Gesellschaft und lassen uns nicht (länger) ins Besenkammerl verbannen!
Der nun in Österreich diskutierte Gesetzesentwurf ist kein Gesetz für Lesben, Schwule und Transgender. Viel mehr ist es ein Gesetz für die heterosexuelle, andere Lebensformen ausgrenzende, Norm der Gesellschaft. Dieses Gesetz ist kein Fortschritt, sondern beinhaltet massive Rückschritte. Es bestehen allein im Justizteil 34 Abweichungen vom Eherecht, zudem wird ein absolutes Verbot der Stiefkindadoption sowie der medizinisch unterstützten Fortpflanzung festgeschrieben. Welche Anpassungen in weiteren Gesetzen folgen werden, ist noch immer nicht bekannt. Feiern dürfen Lesben und Schwule ihre Partner_innenschaften nicht und werden vom Standesamt verbannt.
Uns reicht’s!
Du musst nicht heiraten wollen um für gleiche Rechte zu sein!
Wir fordern am 13. November die rechtliche Gleichstellung ein und rufen zur Kundgebung „Erstklassige Rechte statt ein letztklassiges Gesetz – vollständige Gleichstellung jetzt“, um unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen.
Wir fordern gleiche Rechte und keine diskriminierenden Sondergesetze. Wir fordern die Bundesregierung auf, zu akzeptieren, dass wir keine Menschen zweiter Klasse sind. Wir fordern Gleichbehandlung und wollen, dass jede Liebe sich selbst feiern kann und jede Liebe die gleichen Rechte und Pflichten in Anspruch nehmen darf.
offizielle Homepage: http://www.erstklassigerechte.at
Petition: http://www.erstklassigerechte.at/news/petition

November 06 2009
Solidaritätserklärung des Instituts TFM
Heute wurde die Solidaritätserklärung des Instituts TFM der Uni Wien veröffentlicht:
Solidaritätserklärung des TFM der Universität Wien
Das Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien unterstützt die studentische Protestbewegung:
1. Wir unterstützen die Studierenden in ihrem Protest gegen die unzumutbaren Studienbedingungen und in ihrer Forderung nach einer spürbaren Erhöhung des Budgets für die österreichischen Universitäten: Verdoppelung!
2. Wir wollen die Lehrveranstaltungen und Hörsäle für die Diskussion der Forderungen der Protestbewegung nutzen und die Universität als Ort neuer Formen von Wissensproduktion öffnen.
Monika Meister (Vorstand)
Klemens Gruber, Elisabeth Büttner (stv. Vorstände)
Von Studierenden und Lehrenden des Instituts ging gestern auch die Besetzung des Minoritenstüberl (a.k.a Mensa des Wissenschaftsministerums) sowie die Besetzung des Gangs vor Minister Hahns Büro aus. Damit war die Aktion ein Highlight des Tages – unten die Beschreibungen im Standard sowie Twitpics, die ich währenddessen gepostet habe.
Auszug aus: Studenten auf Besuch im Ministerium
UPDATE 13.15: Wien – Die Studierenden (vor allem aus der Studienrichtung Theater-, Film- und Medienwissenschaften) haben das Ministerium freiwillig wieder verlassen. Minister Hahn war nicht anwesend, sie haben stattdessen eine Stunde lang mit einem Ministerialbeamten diskutiert. [...]
UPDATE 13.00: Wien – Ungefähr 70 Studierende sollen derzeit im Ministerium sein. Wie sie hineingelangt sind, ist den Beamten ein Rätsel.
UPDATE 12.50: Wien – Einige Studierende haben es geschafft, ins Wissenschafstministerium zu gelangen. Die Polizei wurde gerufen. [...]
UPDATE 12.20: Promi-Koch Andreas Wojta – auch bekannt aus der ORF-Sendung „Frisch gekocht“ – hat nichts gegen die Proteste in seinem Lokal einzuwenden: „Ich finde die Aktion toll. Wenn man Anliegen hat, soll man auch dafür eintreten.“ Allerdings glaubt er, dass die Proteste anderswo mehr Aufmerksamkeit erregen würden. Die Studenten haben übrigens nicht vor sich dauerhaft hier niederzulassen.
UPDATE 12.05: Das „Minoritenstüberl“ – quasi die „Mensa“ des Wissenschaftsministerium – wurde soeben besetzt. Die Studierenden haben Transparente aufgehängt und trinken Kaffee.
Auszug aus „Streik? Das ist mein Geburtstag“
Insgesamt ist der Bildungsaktionstag nur sehr schleppend in Gang gekommen. Zur Schülerdemo um 9 Uhr fanden sich nur 60 Demonstranten vor dem Bildungsministerium.
Eines der Highlights des Tages: Am Minoritenplatz herrschte zu Mittag helle Aufregung, als sich plötzlich eine Gruppe von siebzig Studenten und Lehrenden am Boden vor dem Büro von Minister Johannes Hahn niederlässt und den Weg versperrt. Niemand weiß, woher sie gekommen sind.
Vor einer halben Stunde saßen die Studenten der Theater-, Film- und Medienwissenschaften noch gemütlich im „Minoritenstüberl“ und besetzten dort alle Tische.
Als Draufgabe wollten sie Hahn spontan einen Besuch abstatten, dieser war allerdings ausgeflogen. In der Diskussion mit seinem Büroleiter Elmar Pichl kommen sie zu einem überraschenden Ergebnis. „Er hat uns einen persönlichen Gesprächstermin mit Hahn versprochen“ , berichtet Dominik Wurnig. „Stimmt nicht“ , heißt es aus dem Ministerium. Es wurde nur die bestehende Einladung zum „Hochschuldialog“ am 25. November bekräftigt. Von einem Exklusivtermin sei nie die Rede gewesen, betont Hahns Pressesprecherin.

November 03 2009
Bald is’ soweit: Radiokolleg „Ich blogge, also bin ich“. Mit Meat Space Encounter!
Nächste Woche geht es übrigens los, das Radiokolleg zum Thema Bloggern, Twittern Podcasten. Von Montag bis Donnerstag wird es vormittags eher ums Bloggen gehen, einen fulminanten Abschluss gibt es am Donnerstag, den 12.11. am Abend mit einem Radiokolleg zum Mitreden. Max Kossatz ist auch da, und Armin Wolf und sowie mein Kollega Ramon Reichert. Please come and represent!
Ausgedacht und gestaltet hat es sich die famose Beate Firlinger, und nur ihr vergeben wir das suggestive „Ich-Format“ und den Titel „Ich blogge, also bin ich“. Andererseits: Ohne diesen Aufmacher wären wir uns eh alle einig. Oder? Bis dahin, on Air oder noch lieber vor Ort.
Zum Programm:
Radiokolleg zum Mitreden: Ich blogge. Twittern, Podcasten und vieles mehr
Donnerstag, 12. November 2009, 18:30 Uhr, ORF KulturCafe, Eintritt: frei
Der Livestream aus dem RadioKulturhaus ist am 12. November 2009 ab 18:30 Uhr aktiv. (Diesen ruft man am besten über diese Seite auf).
Beate Firlinger, die Gestalterin des Radiokollegs „Ich blogge, also bin ich“ (9.11. bis 12.11., 9:30 Uhr, WH ca. 22:40 Uhr, Ö1) und ihre Interviewpartner/ innen laden zur Diskussion über Freud und Leid des Ich-Formats ein.
Jana Herwig, Medienwissenschaftlerin, Bloggerin (von diesem Blog hier), Universität Wien
Max Kossatz, Markt- und Meinungsforscher im Internet, Blogger, Wien
Ramón Reichert, Kultur- und Medientheoretiker, Kunstuniversität Linz
Armin Wolf, Moderator ORF ZiB 2, Twitterer, Wien
Das Motto lautet „Diskurs im Viertelstundentakt“. Nach einem Input der Expert/innen kommen jeweils die Zuhörer/innen zu Wort.
Millionen Menschen weltweit tun es: sie bloggen, twittern, podcasten. Sie breiten sich und ihr Leben online vor anderen aus. Sie schreiben, meist aus der Ich-Perspektive, über Privates oder Politisches, Witziges oder Weltbewegendes. Doch was motiviert so viele, ihre Gedanken und Gefühle öffentlich zu posten? Was macht den Reiz des Publizierens im Ich-Format aus? Geht es in den sozialen Netzen vor allem um Selbstinszenierung oder um engagierten Bürgerjournalismus? Wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Medienprofis und AmateurInnen im Web? Das Radiokolleg zum Mitreden erkundet die Befindlichkeiten in der Blogosphäre.
Die Radiosendungen dazu:
Radiokolleg – Ich blogge, also bin ich. Freud und Leid des Ich-Formats.
Teil 1, Montag, 9. November 2009 09:30 Uhr
Teil 2, Dienstag, 10. November 2009 09:30 Uhr
Teil 3, Mittwoch, 11. November 2009 09:30 Uhr
Teil 4, Donnerstag, 12. November 2009 09:30 Uhr

November 01 2009
Today we celebrate: Yip Yip Day #yyd09
Yipyip yipyipyip. Why Yip Yip Day? It doesn’t take long to figure out – just watch the video below and get into the groove of things. Yipyip. You can never have too much yip yip in your life. Yipyipyipyip yipyip yipyip yip! (Hashtag for this year is #yyd09 )
Yip Yip Day – inspired by Yip Yip and first launched by @nic_ko and @digiom. From now on, the 2nd of November is going to be Yip Yip Day! Yipyip!

October 31 2009
AUDIMAX und MORITZ, Führungen durch den Protest, das drohende Ende des Livestreams
Drei Themen beschäftigen mich heute:
1. Der Thomologe hat den ersten Streich von Audimax und Moritz in Reimform gegossen – hier ein kurzer Auszug, das PDF (2 Seiten, 350 KB) kann man hier herunter laden: Audimax und Moritz, erster Streich. Autor: der Thomologe.
Ach, was muss man oft von bösen
Studis hören oder lesen,
Die, bevor die Unis brannten,
Manche unpolitisch nannten;
Die für freie Bildungslehren
sich gegen die Dummheit wehren,
Diese offen kritisieren
Und es lautstark demonstrieren.
Ja, zur neuen Mündigkeit,
Ja, dazu ist man bereit!
2. Was mich am meisten beeindruckt am Studierendenprotest ist die Vielfalt der Zugangsweisen und Maßnahmen, die sich aus dem Plenum entwickeln (siehe dazu auch die auf dem Wiki aufgeführten Arbeitsgruppen), sowie insbesondere die vielen Ansätze, um ‘denen da draußen’ die Angst zu nehmen, den Gräben zwischen ‘uns’ und ‘denen (da drin)’ vorzubeugen und an vielen Punkten Anschlussfähigkeit zu ermöglichen. Eine dieser Maßnahmen ist die Führung durch den Protest – hier eine mir per Email zugesandte Beschreibung durch einen Astronomiestudenten aus der „Die offene Tür AG“.
Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin Astronomiestudent und beteilige mich an den aktuellen Bildungsprotesten. Aktuell bin ich Teil einer Arbeitsgruppe, die Führungen durch die Protestbewegung veranstaltet. Ziel dieser Gruppierung ist es unbeteiligten und interessierten Menschen den Abbau von Vorurteilen gegenüber den Protesten zu fördern und so objektiv wie nur möglich zu zeigen, welche Art von Arbeit von uns geleistet wird. Wir sind der Meinung, dass damit eine wohlüberlegtere Grundlage für die eigene Meinungsfindung über die Proteste geboten werden kann.
Unsere Bewegung ist eine demokratische Bewegung, die sich keinerlei Gruppierungen oder Gesellschaftsschichten verschliesst. Alle Menschen sind herzlich eingeladen zu uns zu kommen, sich an Diskussionen zu beteiligen (nicht nur im Audimax, sondern auch in kleinen Interessengruppierungen). Es ist uns ein sehr grosses Anliegen, Heterogenität in den Debatten und Diskussionsgruppen einzubringen.
Was als Studentenprotest anfing, soll und muss sich nicht nur auf die Anliegen der Studenten beschränken. Bildung an sich ist unser Anliegen und dazu gehört selbstverständlich eine zufriedene Service- und Lehrkörperschaft. Wir wären daher sehr froh wenn engagierte Mitglieder der Service- und Lehrkörperschaft zu uns kommen könnten um sich im Rahmen einer Führung ein besseres Bild von den Protesten zu machen.
Ich lade Sie daher herzlich auf eine Führung am Freitag um 17:30 ein. Treffpunkt: Arkadenhof der Uni Wien. Sondertermine für Gruppen werden auf Anfrage per E-Mail (unibrennt@gmail.com) entgegengenommen .
In freudiger Erwartungshaltung,
Die offene Tür AG.
3. Mit großem Entsetzen habe ich gestern im Livestream vernommen, dass wieder vorgeschlagen wird, eben jenen Livestream abzudrehen. Eine lähmende Situation: zuzuhören, wie debattiert wird, einem die externe Anteilnahme am Protest zu verweigern, während man eben gerade Anteil nimmt. Ich weiß, dass das Anliegen dieses Vorschlags nicht der Aussschluss jener ist, die über Tage gebannt den Livestream verfolgt haben, sondern dies nur der dramatische Nebeneffekt des Wunsches nach Schutz vor den möglicherweise vorhandenen, polizeilichen ZuschauerInnen ist.
Wie Tom Schaffer halte ich das für eine Angstreaktion. Kein Wunder: Wir leben in einer Zeit der Einschüchterung. An allen Orten Begehrlichkeit nach Daten und überall wird uns suggeriert, dass jede unbedachte Äußerung gegen uns verwendet werden kann. Job weg wegen Partybild, Millionenklage wegen runtergeladener Musik, permanente Überwachung wird uns als Schutz verkauft, für den wir die Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit immer mehr bereit sind in Kauf zu nehmen. Wie haben es die Big Brother Awards in diesem Jahr formuliert? „Überwachung mag man eben!“
Es bedeutet die vorgeschlagene Reaktion – „Livestream abschalten“ – aber keinen Schutz vor dem Zugriff Daten sammelnder Beobachter, vielmehr lenkt man deren Aufmerksamkeit vom eh verfügbaren Livestream (für den diese sicher dankbar sind) auf die Notwendigkeit, dann eben andere Maßnahmen zu entwickeln. Ein tiefer Schnitt ins eigene Fleisch: Wird der Livestream abgeschaltet, dann werden auch jene Tausende (und wir wissen dass es WIRKLICH Tausende sind) abgeschnitten, die ihn bislang nutzten, um dran zu bleiben am Gefühl für einen Aufstand. Dann errichtet sich der Protest seinen eigenen Elfenbeinturm – es verlieren die Überwacher, zwar den einfachen Zugang auf das Datenmaterial, aber der Protest sägt auch willentlich die Brücken zu jener vielfach größeren Zahl an ZuschauerInnen ab, die persönliches Interesse am Protest haben, die sich vielfach auch schon haben anstecken lassen von der Energie vor Ort, die sich eben – wie das die AG Offene Tür ja auch erreichen will – selbst ein Bild machen wollen. Jürgen Koprax hat etliche Reaktionen von außen dokumentiert – bitte mal anschauen.
Vor allem aber: Ich mache mir ernsthaft Sorgen, dass die Unterstützung von außen abreißt, sobald der Livestream weg ist – das was dort passiert, kann durch keine Berichterstattung in den unternehmerischen Medien ersetzt werden. Wenn die Redaktionen der etablierten TV-Nachrichten sich nur für zwei Tage entschließen, mal gar nichts über die Proteste zu berichten, werden die Proteste fast schon wieder vergessen sein. Statt als Überwachung derer vor Ort schlage ich vor, den Livestream als Mitterl zur Unterwachung bzw. Sousveillance zu betrachten. Wie wahrscheinlich ist eine Räumung vor laufenden Kameras? Wie könnte man die zuschauenden Überwacher adressieren (und den Blick dann vielleicht doch immer wieder mal in die Kamera richten, gerne auch maskiert), um sie zur Reflexion ihrer Tätigkeit zu bringen?
Je nun: Niemand soll gezwungen werden, vor die Kamera zu treten. Ein Kompromiss wäre: Man erhebe, wieviel Personen es ein Anliegen ist, nicht im Livestream übertragen zu werden. Man designiere einen Bereich im Raum, den die Kamera NICHT erfasst und reserviere ihn für eben diese Personen. Bei einzelnen Redebeiträgen stelle man das Mikrofon auf stumm, wenn dies von den RednerInnen erwünscht wird. Und habt keine Angst vor der Unfertigkeit der Gedanken, vor der Übertragung von vermeintlicher Unorganisiertheit – gerade die permanente Reorganisation, die Lebendigkeit und Energie des Übertragenen ist es, welche die Unwiderstehlichkeit des Protestes ausmacht.
EDIT: Hier noch eine Nachricht von Thomas Lohninger von tief in der Nacht – ich hoffe, das bleibt so, keine Ahnung, ob die Technikerentscheidung auch der Plenumsentscheidung entspricht, aber ich hoffe das sehr. Abschalten war schon einmal ein Thema, haltet euch bereit, falls es wieder hochkocht.
Der LiveStream von #unsereuni wird nicht abgeschalten! Techniker sind dagegen und Grund war Angst vor Maskierten zu Halloween.

October 29 2009
Eine neue Staffel von „SuperStar KZ“
Eine hübsche, kleine Illustration der kulturellen, kontextuellen und intertextuellen Bedingtheit von Bedeutung – in Kasachstan heißt Pop Idols „Super Star KZ.“ Ansonsten übt man sich in Kasachstan genauso wie anderswo bei der Exekutierung dieses Fernsehformats in der routinierten Umsetzung der Bloßstellung. Immerhin der letzte Beitrag widersetzt sich, finde ich. „Freestylor!“ Was meinen Sie?

October 25 2009
Vom Flashmob zu #unibrennt: Kollektive Organisation in Realtime
Heute gegen (Sonntag-)Mittag habe ich den Rechner wieder eingeschaltet und die Livestreaming-URL der Unibesetzung – ustream.tv/channel/unsereuni – aufgerufen. Schon gestern konnte sich die Zahl der per Web Zusehenden mit um die vier- bis fünfhundert sehen lassen – als ich heute morgen reinschaute, lag sie bei um die neunhundertfünfzig.
Dieser Protest organisiert sich anders, als die öffentlichen Meinungsführer das gewohnt sind. Da deren Maßstäbe die alten sind, ziehen sie auch inadäquate Schlussfolgerungen – im Kern steht für sie die Frage, ob das, was da passiert politisch ist, eine Frage, die maßgeblich beeinflusst, ob man sich den Forderungen stellen muss oder nicht.
Wie ein solcher Versuch, die Proteste aufgrund ihrer Organisationsform von vorneherein ins Lächerliche zu ziehen, aussehen kann, hat exemplarisch Michael Fleischhacker vorgeführt. Ausgehend von der Diskreditierung als „Mischung aus Flashmob-Party und Voodoo-Ideologie im Audimax der Uni Wien, die man als Internetnutzer in Echtzeit verfolgen konnte„, lässt sich dann, da man diese Manifestationen sowieso nicht ernst nehmen will, auch schnell der Schluss plausibilisieren, dass die „Forderungen, die man aus dem Wust der basisdemokratischen Meinungsflut destillieren kann, an den wirklichen Problemen der österreichischen Universitäten meilenweit vorbei“ gehe.
Diese sich an einer vorgefertigten Annahme, wie das Politische aussehen soll, damit wir es erkennen, aufhängende Bewertung lässt sich bis in Positionen verfolgen, die den Anlass des Protests durchaus ernst nehmen wollen, etwa wenn Armin Wolf auf Twitter schreibt:
@rigardi so weit ich das verfolge: viel Party, recht wenig Politik. Frust über Situation auf Unis ist jedenfalls berechtigt.
Wir erinnern uns an Carol Hanischs zutreffende Feststellung, dass das Persönliche das Politische sei (Essay von 1969, siehe Anmerkung). Des weiteren betrachten wir, welche Punkte es sind, an denen die Kritik von Fleischhacker et al. zuerst ansetzt:
1. Das sind noch nur PARTYSANEN.
Wie objektivieren die Beobachtenden diese Beobachtung? In der Regel gar nicht. Wie gingen die Besetzer früherer Generationen vor? Ließen sie die Medien teilhaben an dem, was sich in den besetzten Gebäuden, in den Hauptquartieren des Widerstands abspielte? Nein. Sie inszenierten sich entweder in plakativen Einzelaktionen, oder die Berichterstattung stellte sie anhand von ausgewählten Einzelaktionen dar, die so plakativ wurden.
Heutzutage aber dreht sich das Innere des Protests nach außen: Handyfotos, Twitternachrichten, Facebookgruppen, mobile Berichterstattung und natürlich der Livestream aus dem Audimax – all das gibt die Möglichkeit, die BesetzerInnen auf Schritte und Tritt zu beobachten.
Auch dann, wenn in früheren Szenarien die Kameras längst verschwunden wären – etwa beim Entspannungsbier am Abend. Man möge bitte nicht so tun, als könnte der Mensch 24 Stunden am Tag in jeweils nur einer seiner oder ihrer vielfältigen Rollen agieren. Nebenbei können wir sicher sein, dass auch die idealisierte Revoluzzergeneration der 1968er nicht immer nüchtern blieb – das weiß auch jeder, doch diese Bilder waren nicht Teil der bevorzugten, radikalen Inszenierung (im Beispiel: die Kommune 1, zu finden auf dem Blog von Rainer Langhans):
Obendrein: Auch den berichtenden Medien selbst stand in früheren Zeiten nicht ein gleiches Volumen an Raum für die Berichterstattung zur Verfügung – mal eben eine schnelle Bildergalerie zum Thema „Audimax-Besetzer: Tanzen bis in die frühe Morgenstunde“ raus zu schießen war da nicht drin. Und die Gefahr der mangelnden Selbstreflexion sollte mitbedacht werden: Allzu gern glaubt man dem, was man selbst kreiert hat, etwa weil sich das Narrativ so schön schließt oder weil es eh in manchen Ecken gut ankommt – und schwierig ist es, die einmal gewählte Einfallsschneise wieder zu verlassen.
2. Die haben doch gar kein PROGRAMM!
Dieser zweite Punkt hängt mit dem ersten zusammen: Ist man von den allerersten Momenten bereits der Berichterstattung ausgesetzt (oder berichtet eben selbst ins Web), dann wird bewertet auf der Basis von etwas, das oft noch nicht mehr als ein Brainstorming ist. Voreilig werden Bewertungen und Verurteilungen vorgenommen – man kann sich jederzeit in den Twitterstream von #unibrennt hineinbegeben und findet dort abschließend Statements wie z.B. das Folgende von @astrodicticum:
@schaffertom Aber Studentenprotest, der nicht mehr ist als Demo und Besetzung ist sinnlos. #unibrennt #unsereuni #audimax http://is.gd/4AKIY
An diesem Protest ist anders, dass man nicht mit ausgearbeiteten Pamphleten angetreten ist, sondern dass das Programm, ausgehend von den ersten Forderungen erst, im Entstehen ist. Er ging nicht von einer abgezirkelten Studierendengruppe aus, sondern war von Anfang an breit angelegt. Es fehlt hier, wie Markus Zachbauer feststellte, der „übliche Auflauf verschiedenster politischer Splitter-Gruppierungen“, sondern es sind „tatsächlich viele ‘Normalos’, denen die Zustände an der Uni nicht gefallen“. Das Unbehagen in der gegenwärtigen Lage stand am Anfang. Die Protestierenden machen kein Geheimnis daraus, dass sie noch nicht wussten, wie es weitergeht – so ist als Hauptdiskussionspunkt des Plenums vom 23. Oktober, 12:30 Uhr zu lesen:
Diskussionsgrundlage: Was wurde mit der Besetzung begonnen? Wie soll sie weiter gehen? Was wollen wir erreichen?
Und eben dies ist das qualitative Neue, das Spannende an diesem Protest. Wie immer, wenn es um kollektives Agieren geht, greife ich zu meiner abgeschnudelten Taschenbuchausgabe von Pierre Lévys ‘Kollektiver Intelligenz’ (ein Buch, das mich anfänglich nicht beeindruckt hat, und in dem ich mit fortschreitender Zeit immer mehr Anregungen finde) und lese dort:
The economy [of collective intelligence] will center, as it does already, on that which can never be fully automated, on that which is irreducible: the production of the social bond, the relational. (S. 31). [...]
The group relies on political technologies of transcendence when it becomes too large for individuals to know one another by name or comprehend in real time what they are doing as a group. (S. 52) [...]
In a system organized around molecular politics, groups are no longer considered as sources of energy to be exploited for their labor but as collective intelligences that develop and redevelop their projects and resources, continuously refine their skillsand attempt to enhance their individual qualities indefinitely. Able to reorganize itself in real time, minimizing delays, deadlines, and friction, the molecular group evolves at room temperature, without sudden change. (S. 53)
Es ist unangebracht, die Proteste auf der Basis der bisher formulierten Forderungen vorzuverurteilen – es wird gearbeitet an den Forderungen, und selbst wenn diese verpuffen sollten, so wird das, was derzeit im Audimax der Uni Wien, in der Akademie der bildenden Künste, in der Vorklinik in Graz und anderen Orten (Turin, evtl. Innsbruck, evtl. München) passiert, nachhaltig sein:
Die Protestierenden arbeiten am ’social bond’, sägen an den Strukturen der Individualisierung, wo diese sie voneinander getrennt haben, lernen sich in Echtzeit zu ORGANISIEREN (was viel mehr ist, als das an Publika orientierte ‘in Echtzeit beobachten’, das Fleischhacker ausmachte). Was wir bei Flashmobs gelernt haben, was dort eingeübt wurde, manifestiert sich nun im Politischen.
Die Übertragungen Einzelner ins Web (und was davon in den unternehmerischen Medienformen hängen bleibt) mag in den Riegen der Fleischhackers rein voyeuristisch wahrgenommen werden – der Zweck der Übertragung ist jedoch ein anderer, den es wird denjenigen, die auch betroffen sind, die Möglichkeit gegeben, Gemeinsamkeiten zu entdecken, sich bei Bedarf und Interesse anzuchließen, und zwar über die Grenzen der erwähnten Splittergruppen und Gruppierungen hinaus.Wie gestern getwittert und retweetet wurde:
Meldung aus dem Plenum: Die Ideologie soll vor der Tür bleiben… #unibrennt #unsereuni #audimax
Diese Protestierenden sind keine Vollzeitrevoluzzer – und das ist die große Chance, denn nur so kann ein Protest in den Zeiten des Neoliberalismus dennoch auf eine breite Basis gestellt werden.
Diese neue soziale Qualität wird uns noch lange begleiten: Ich freue mich besonders auf die ersten, aus Seniorenresidenzen und Pflegeheimen organisierten Aktionen. Wider die Vereinzelung – für die Erforschung der Gemeinsamkeiten und die soziale Artikulation auf breiter Basis, auch in den Zeiten desNeoliberalismus (und paradoxerweise durch einige von dessen Technologien möglich werdend).
Bildquelle: „Erkennst du dich wieder?“ Zur Verfügung gestellte „Materialen“ auf freiebildung.at
Anmerkung:
Zusammenfassung von Hanischs Thesen durch Donna M. Bickford:
Carol Hanisch has a brief essay called „The Personal is Political“ in the Redstockings collection *Feminist Revolution* — her essay is dated March
1969 (204-205). The essay defends consciousness-raising against the charge that it is „therapy.“ Hanisch states „One of the first things we discover in these groups is that personal problems are political problems. There are no personal solutions at this time.
Ebenso manifestiert sich das Politische nicht in diskreten Einheiten und ist dann entweder da oder nicht – Bewussteinsbildung gehört bereits dazu. Eine normative Vorstellung des Politischen ist die höchste Stufe der Arroganz, trennt es doch die Handlungsoptionen derjenigen ab, die dieser Vorstellung (noch) nicht entsprechen (indem es sie z.B. ins Lächerliche zieht) und verstellt ihnen so erst recht den Weg in die Sphäre des Politischen.

October 24 2009
Das geht immer: Alte Fernsehaufnahmen von Serge Gainsbourg anschauen…
…und jedesmal dankbar sein, dass die User-Generated Online-Videoplattformen diese Perlen für uns ausspucken. Heute: Pauvre Lola. Gibt es eigentlich einen Namen für dieses Format, das man beschreiben kann als Musikvideo avant la lettre bzw. „Szenische Inszenierung eines Chansons im Rahmen einer Fernsehsendung, exekutiert live to tape“?

TV, Web-TV und Livestreams aus dem Audimax
Gestern habe ich mich auf Wunsch von Thomas Lohninger a.k.a. Socialhack (dessen Reaktion wiederum hier zu finden ist) gefragt: Was tun, wenn die #unibrennt? (Twitter scheint deswegen übrigens neuen Zulauf/Reaktivierung zu erfahren, siehe z.B. 1, 2, 3, 4). Im folgenden ein kleiner Überblick über die verschiedenen TV-Berichte bzw. Livestreams, die es gibt über das Geschehen im oder Live aus dem Audimax.
Podcast:
Thomas Lohninger hat in seinem Talking Anthropology Podcast auch eine Sondersendung zum Thema gemacht.
Livestreams:
Luca Hammer ist dabei, Videos findet man in seinem Channel (z.B. dieses, dieses, dieses, dieses oder dies hier).
Ebenso wird immer wieder aus dem Channel von Nacaseven gestreamt (einzelnes Videos z.B. hier, hier, hier oder hier).
Auch phs streamt über QIK – hier der Channel (und einzelne Videos, etwa dies, jenes – der Rauchhaus-Song zieht auch heute noch – oder dies hier).
Bitte auch die Berichte auf Chilli.cc beachten – Revolution an der Uni.
Auf YouTube ist schon etliches gelandet, etwa die Berichte von WienTV.org, die alle auch von deren Homepage aus verlinkt sind.
Mit der Suche „Audimax“ (jüngste Beiträge) findet man noch etliches mehr auf YouTube, auch sehr viel atmosphärisches Material wie dies hier:
Und schließlich: Ein Bericht in der ZIB2 vom 22. Oktober – es gabe weitere, u.a. in der ZIB24, diese habe ich bislang noch nicht gefunden.

Was tun, wenn die #unibrennt
Was bisher geschah: Am 22. Oktober begann die Besetzung des Audimax im Hauptgebäude der Uni Wien und wird zum aktuellen Zeitpunkt an dem dieses Blogpost veröffentlicht wurde (24. Oktober, 2 Uhr morgens) auch noch weiter fortgeführt. Unter den Hashtags #unibrennt und #unsereuni (die allein schon unterschiedliche Positionen abbilden) kann man das Livegeschehen auf Twitter verfolgen. Obendrein gibt es Streams aus dem Audimax, z.B. hier, auf Luca Hammers QIK-Account.
Gestern abend schrieb mir Thomas Lohninger auf Twitter:
@digiom ich vermisse irgendwie Tweets/Meinung von dir zu #unibrennt ist schließlich Top 5 Thema in Twittercharts und Uni relevant.
Gut beobachtet – ich beobachte derzeit. Festzuhalten gilt: Die #unibrennt ja nicht, weil das Audimax besetzt wird, sondern das Audimax wird besetzt weil die #unibrennt. Die Studierendenzahlen im Fach TFM sind in der Tat erstaunlich (an einem Institut soviel Studierende wie in allen fünf Studiengängen der FH, an der ich bis vor zwei Jahren gearbeitet habe, zusammen und dann mal fünf), die Anmeldungen allein für eine Vorlesung gehen im Rekordfall bis hinauf auf 1400 (die deshalb auf Initiative des Instituts ja auch ins Web gestreamt wird, eine Maßnahme, die sich z.B. auch Michael Thurm in Graz wünschte). Warum also das Schweigen (und Beobachten) im Walde?
Wer eine Meinung äußert zu den Protesten muss auch Stellung beziehen zu den Forderungen der Studierenden, die auf der Seite der ÖH nachgelesen werden können:
- Re-Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen
Bildungseinrichtungen!
- Ausfinanzierung der Unis!
- Selbstbestimmtes Lernen und Leben ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck!
- Freie Masterzugänge!
- Keine verpflichtende STEP!
- Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren!
- Keine Aufnahmeprüfungen!
- Unabhängige Lehre und Forschung!
- Schluss mit prekären Dienstverhältnissen für Lehrende, Angestellte und ArbeiterInnen!
- Genug Studienplätze für alle!
- Abschaffung der Erweiterungscurricula!
- Flexible und selbstbestimmte Studienpläne!
Doch nicht zu einer dieser Forderungen kann man sich in den 140 Zeichen, die einem auf Twitter zur Verfügung stehen, auch nur halbwegs angemessen äußern. Allein über den Aspekt „Selbstbestimmtes Lernen und Leben ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck!“ ließen sich ganze Dissertationen schreiben (angefangen vom Widerspruch in sich der da lautet ‘Wie vermittelt man Studierenden, die die Fähigkeit zum selbstbestimmten Lernen eben noch nicht besitzen, genau diese Fähigkeit?“ bis hin zur Schwierigkeit der Anwendung alternativer Bewertungssysteme im Angesicht der Verpflichtung der Universitäten, erworbene Fähigkeit in Form von Abschlüssen zu zertifizieren). Die Tatsache, dass viele der Forderungen plakativ sind und der Kontextualisierung bedürften, um sie überhaupt zu diskutieren macht es nicht leichter.
Das einzige inhaltliche Statement, das ich mir also bislang geleistet habe, bezog sich auf den Bologna-Prozess, der zwar in den obigen Forderungen nicht explizit genannt wird (vgl. dazu die Forderungen der Studierenden der Akademie der bildenden Künste), aber die Hintergrundfolie bildet. So gewinnt etwa die Forderung der Abschaffung der Ergänzungcurricula erst Profil, wenn man berücksichtigt, dass diese Curricula die freien Wahlfächer der Zeit vor dem Bologna-Prozess ersetzen sollen (Bitte um Korrektur wo ich mich irre – meine Rekonstruktionen dessen, was vor meiner Ankunft an der Uni Wien Sache war, sind noch immer puzzlestückartig).
An wen wird aber sinnvollerweise ein Protest gerichtet, der auf einer 1999 „von 29 europäischen Bildungsministern im italienischen Bologna unterzeichneten, völkerrechtlich nicht bindenden“ Erklärung basiert? Und ist überhaupt der Bologna-Prozess an allem Schuld?
Immerhin: Zu meiner Studienzeit gab es – ohne jeden weiteren Protest, da man eben ganz allein für sein Studium verantwortlich war – unglaubliche Abbruchraten, etwa an der philosophischen Fakultät der Uni Köln um bis zu 70%. Das lag weder daran, dass die Leute unfähig waren noch an einem Mangel an Lehrveranstaltungen (ein Seminar mit 50 Teilnehmern kam uns zwar voll vor, aber im Vergleich zu den aktuellen Betreuungsverhältnissen an vielen Universitäten ist das fast paradiesisch). Nein, das Studium dauerte einfach zu lange, und bis man endlich alle Pflichtvorlesungen, Proseminare, Zwischenprüfungen, Hauptseminare, Oberseminare, Diplomkolloquia beisammen hatte (und das über drei Fächer, die bis zur Magisterprüfung fortzusetzen waren – nicht zu vergessen musste ich auch das Latinum nachholen, da dies eine fachspezifische Anforderung war) , war vielen schlicht die Luft und/oder das Geld ausgegangen.
Viele mussten sich entscheiden: Nehme ich jetzt dieses Jobangebot an oder mache ich doch noch meinen Abschluss? Hätte es damals Bachelor-Programme gegeben, hätten viele zumindest diesen in der Hand gehabt – so fielen viele aber vom 12. Semester kurz vorm Magister zurück auf Abitur als höchsten Bildungsabschluss. Allein die Magisterprüfungsphase dauerte bei vielen (so auch bei mir) über ein Jahr.
Das ist nur einer der guten Aspekte der BA/MA-Umstellung – und im Vergleich zu Fachhochschulen hat man an den Universitäten den Vorteil, dass man sie nicht fix in drei (Bachelor) bzw. zwei (Master) Jahren fix beenden muss. Und das ist nun auch einer der Gründe, warum ich mich vor allem beobachte – heilfroh und hoffend, dass bildungspolitisch durch die Proteste etwas ausgerichtet wird, insbesondere was die Finanzierung der Universitäten angeht, aber gleichzeitig auch zurückhaltend, da eine Diskussion der Sacheverhalte angesichts der verknappten und verkürzten Forderungen schwierig ist. Und trotz aller Verkürzung und Verknappung sind diese Proteste ja ernst zu nehmen – @Luca formulierte heute treffend:
Bin mit vielen bei #unibrennt unzufrieden, aber man muss damit arbeiten und ich finde es toll, dass etwas passiert.
Mein Beitrag beschränkt sich also darauf, für den Fall der Fälle das Material meiner eigenen LV so aufzubereiten, dass man im Zweifelsfall alles über Selbststudium und unter Nutzung der e-Learning-Plattform sich aneignen kann – sei es, weil der Hörsaal besetzt ist oder weil es so Personen nutzen können, die selbst im Audimax sitzen. Die Fähigkeit zum selbstbestimmten Lernen – das ich nicht verstehe als ‘ich mache wonach mir grad der Sinn steht’ sondern als ‘ich übernehme die Verwantwortung für mein Lernen selbst’ – freilich immer vorausgesetzt.
Noch ein paar Tweets der letzten Minuten (alle jeweils rund um 2 Uhr früh abgesetzt):
anarchietaube: #audimax ’ska-tunes’ von „one two three cheers and a lion“, arkadenhof bumvoll mit ‘elektro-beats’ — herkommen, abgehn! #audimax #unibrennt
peterkraus: So sah es im #Audimax grad aus.schon einige Uni Proteste mitbekommen,aber das fühlt sich ganz anders an! #unibrennt http://twitpic.com/mnsxz
rigardi: auch um 2 uhr früh ist #audimax noch bummvoll #unibrennt http://twitpic.com/mnsz8
WernerReisinger: ♺ @ugrazgehoertuns 3000 leute im #AudiMax wien! #unibrennt http://bit.ly/Bj0o

October 18 2009
Was das ZDF nicht zeigen wollte: Leere Container bei der ‘Anti-Killerspielaktion“
Nicht häufig bekommt man die Gelegenheit, nachzuvollziehen, wie öffentlich-rechtliche Medien die Wahrnehmung der Gesellschaft durch Selektion und Perspektivenwahl für andere Zwecke als den der Objektivität zurechtrückt… in der folgenden Ausgabe von Heute vom 17.10.2009 war zu sehen, wie ein Jugendlicher ein „Killerspiel“ in einem Container versenkt. Was in dieser Geste wie eine Aktion mit breiter Resonanz vor Ort rüberkommt, war vermutlich ein Einzelfall…
Und vermutlich war diese Entsorgung auch noch mehrfach erprobt, wie folgende Aufnahmen nahelegen:
Da darf man sich schon fragen: Ist eine solch tendenziöse Selektionsweise in einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung die Regel oder doch eher die Ausnahme? Hm. Gut, dass es User-Generated Content gibt – als Unterwachung der Gatekeeper unverzichtbar. Der einzelne Fall mag banal erscheinen – die alternativen Blickwinkel erinnern uns aber daran, dass auch die traditionellen Medien die Objektivität nicht gepachtet haben.
Entdeckt via Michael G. Wagner

October 14 2009
Zurück von IR10, weiter nach Basel, Zwischenstopp: eVideo
Der Oktober ist wahrhaftig ein intensiv gefüllter Konferenzmonat: Gerade zurück von der Internet: Critical, der zehnten Ausgabe der jährlichen Konferenz der Association of Internetresearchers geht es gleich weiter nach Basel zur „Netcultures – Identitätspräsentation, Kommunikation und Privatheit auf Social Network Sites„, eine wissenschaftliche Tagung des Instituts für Medienwissenschaft der Uni Basel. Am Abend des 15. werde ich mich dann noch zur eVideo Online-Konferenz zuschalten, die vom 12.-16. 10. vom Projekt eVideo an der HTW Berlin ausgerichtet wurde – in allen Fällen geht es bei dem Scherflein, das ich beitragen darf, um Twitter und Microblogging. Erfreulicherweise bin ich im Fall von Netcultures und eVideo gebeten worden, etwas beizutragen – sonst käme ich mir bald schon vor wie eine tingelnde Wanderpredigerin. Mit Einladung wird es dann aber eine Gastrednerin auf Mikrotournee – das gefällt mir schon besser. Unten noch ein kleiner visueller Eindruck – beim Zwischenstopp Chicago war zum Glück Zeit, sich Anish Kapoors Cloud Gate näher zu betrachten. Faszinierend.
(Bilder veröffentlicht unter CC-BY-Lizenz)

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